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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 23. Juli 2017 | 18:48

     

    Paul Klee

    11.12.2008

    „Das ist das, was man immer kennt!“

    So und ähnlich lauten die erfreuten Ausrufe von Besuchern der Ausstellung „Das Universum Klee“ in der Berliner Neuen Nationalgalerie über das Werk von Paul Klee. Man glaubt, „das“ zu kennen. Dem Irrglauben kann abgeholfen werden. Von Olaf Selg

     

    Denn er ist viel komplexer, der Jedermann-Klee, der T-Shirt-Klee, der WG-Kaffeetassen-Klee. Jedoch: Der einsame Künstler als das vergeistigte, das aus dem Moment heraus schöpferische Genie – dieses Klischee kann ebenfalls kaum unpassender sein. Das zu erfassen, dafür genügt jedoch die Ausstellung nicht. Eher das Gegenteil könnte sie befördern: Im steten Halbdunkel der Räume, zur Schonung der gezeigten Werke, scheint einem der Mystizismus vor den Bildern auf die Schulter zu springen und sich festzukrallen wie Kater Bimbo einst an seinem Herrn und Meister Klee.

    Daher wird angeraten, sich mit Publikationen zu Paul Klee (1879-1940) zu befassen, etwa mit dem zur aktuellen Ausstellung gehörigen Katalog „Das Universum Klee“ (Hatje Cantz) und dem anlässlich einer weiter zurück liegenden Schau herausgegebenen und nun noch einmal aufgelegten Band „Paul Klee – Jahre der Meisterschaft“ (Prestel).

    Zweierlei haben beide Bücher gemeinsam: Man kann die Werke Klees zu Hause bei besserem Licht betrachten und sie versuchen, mit Klischees aufzuräumen, auch wenn Klee das Schaffen genialischer Kunstwerke natürlich nicht abgesprochen wird.

    „Das Universum Klee“

    Wer „Das Universum Klee“ erwirbt, trägt in der Tat einen universalen Band zu Paul Klee nach Hause, insbesondere bezüglich der reichhaltigen Anzahl der Abbildungen und ihrer hohen Qualität. Natürlich kann der Katalog nicht alle Aspekte zu Leben und Werk Klees erschöpfend behandeln – etwa seine Schriften zur Kunst, die weit über seine vielzitierten Texte „Schöpferische Konfession“ bzw. „Über die moderne Kunst“ hinausgehen (eine bekannte Sprachperle: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“). Dieses sind zwar Klees wohl eingängigsten Schriften, aber erst seine „Beiträge zur bildnerischen Formlehre“ und sein „Pädagogisches Skizzenbuch“, im Zusammenhang mit seiner über zehnjährigen Lehrtätigkeit am Bauhaus entstanden, machen deutlich, wie reflektiert Klee mit seinem künstlerischen Schaffen umging.

    Inhaltlich auf hohem Niveau sind – in beiden Bänden – ebenfalls die Texte. „Die Welt als Fragment“ von Peter-Klaus Schuster ergründet Klees „Universalismus“, geht der ebenso durch die Technik der Collage begründeten „fehlenden entschlüsselbaren Eindeutigkeit“ im Werk Klees nach und stellt fest: „Aus der Fülle möglicher Lesarten resultiert ihr unausschöpflicher Wirklichkeitsbezug“ – auch deswegen (er)kennt man also immer was?

    Erhellend sind auch „Klees Orientierungskünstler“ (Otto Karl Werckmeister). Während die Ausstellung diesbezüglich unter fehlenden Leihgaben leidet und besser hätte ausgestattet sein können, werden im Katalog u.a. Ferdinand Hodler, James Ensor, Vincent van Gogh, Alfred Kubin und Wassily Kandinsky genannt. Hier wird deutlich, wie intensiv Klee sich mit andere Künstlern auseinandergesetzt hat und deren Ideen in seine Werke eingingen.

    Die Verbreitung des Werkes von Paul Klee (die eng mit Berlin verbunden ist, siehe „’Berlin kann alles’ – Paul Klee, Berlin und die Nationalgalerie“ von Dieter Scholz) wird hinsichtlich seiner manchmal schwer verständlichen Popularität von Christine Hopfengart hinterfragt in ihrem Beitrag „Der Magier als Quotenkünstler – Paul Klee und sein Aufstieg zum Klassiker der Moderne“. Während man sich einerseits leicht erklären kann, warum Kindergruppen in der Ausstellung quietschvergnügt vor den vielen Bildern mit Fischen in der Abteilung „Tiere“ verweilen, so ist dies andererseits für Erwachsene nicht so leicht zu ergründen; oder kennt hier jeder was?

    Apropos Abteilungen im Bilderteil: In „Kindheit“, „Eros“, „Ferne“, „Musik“, „Bauhaus“, „Schrift“, „Religion“, „Krieg“, „Melancholie“ und andere mehr gegliedert – in sich in der Bildabfolge jedoch nicht immer nach einer erkennbaren Dramaturgie geordnet –, ist eine rein chronologische Abfolge aufgehoben, stehen dafür erfreulicher Weise Themen im Mittelpunkt, die jeweils einleitend beschrieben werden.
    Eine bebilderte tabellarische Kurzbiografie und ein Verzeichnis der ausgestellten Werke runden den Band ab.

    „Paul Klee – Jahre der Meisterschaft“

    Bei der tabellarischen Kurzbiografie in dem Band „Paul Klee – Jahre der Meisterschaft“ hatte man die gute Idee, zu den genannten Daten immer einen Tagebuchauszug von Klee zu zitieren. Diese O-Töne könnten dazu verlocken, dann zu den weiteren Aufzeichnungen Klees zu greifen.

    Der etwas ältere Band ist keineswegs out of date. Er beschränkt sich allerdings auf Werke aus dem Zeitraum von 1917 bis 1933, den so genannten „Jahren der Meisterschaft“. Victoria Salley fasst die Jahre von der erfolgreichen Ausstellung in der Berliner Galerie „Der Sturm“ bis zu Klees Diffamierung als „entarteter Künstler“ und seiner Rückkehr nach Bern einleitend kurz zusammen.

    Der anschließende Aufsatz „Der Lyriker im Paradiesgärtlein und der Dramatiker in Arkadien“ von Roland Doschka enthält einige quasi die Ausführungen zu „Klees Orientierungskünstlern“ (s. o.) ergänzende „Gedanken zum schöpferischen Prozess im Werk von Paul Klee und Pablo Picasso“.

    Der insbesondere für fortgeschrittene Klee-Kenner interessante Text „Klees Umgang mit dem eigenen Oeuvre“ verdeutlicht auch seine „Selbstmystifikation“. Die Systematik seines selbst angefertigten Werkkatalogs wird ebenso erläutert wie die Weiterentwicklung von oft als „privat“ angesehenen Zeichnungen über Ölpausen hin zu der Öffentlichkeit dann zugänglichen farbigen Werken oder die Aufwertung kleinformatiger Werke durch besondere Akzentuierung bei Passepartout und Rahmung. Bemerkenswert ist auch die „Fragmentierung eines bestehenden Werkes und der Weiterverarbeitung der so gewonnenen Teile“, die dann erst zu einer „finalen Realisierung des Kunstwerks“ führen, was den in Ausstellungen und Museen präsenten Ergebnissen, die wie in einem Wurf entstanden wirken, oft nicht anzusehen ist.

    Von Olaf Selg


    Ausstellung: „Das Universum Klee“, Neue Nationalgalerie Berlin, bis 08. Februar 2009

    Dieter Scholz, Christina Thomson (Hg.): Das Universum Klee. Texte von Olivier Berggruen, Anke Daemgen, Christine Hopfengart, Dieter Scholz, Peter-Klaus Schuster, Christina Thomson, Otto Karl Werckmeister. Hatje Cantz 2008. 368 S. mit 377 Abb., davon 299 farbig. ¤ 39,80. ISBN 978-3-7757-2272-8

    Roland Doschka (Hg.): Paul Klee – Jahre der Meisterschaft. Texte von Victoria Salley, Roland Doschka, Christian Rümelin. Prestel Verlag 2008. 224 S. mit 116 farbigen und 32 S/W-Abb. Flexo-Cover. ¤ 19,95. ISBN 978-3-7913-3981-8



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