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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 25. April 2017 | 14:18

     

    Action Painting - Jackson Pollock

    29.05.2008

    „Ach, diese ganzen Duschvorhänge!“

    Der Ausruf eines italienischen Experten für Renaissancekunst zur Malerei von Morris Louis fasst pointiert die Schwierigkeiten nicht nur von Laien, sondern auch von Fachleuten beim Umgang mit abstrakter Kunst zusammen.
    Von Olaf Selg

     

    Bildende Kunst – in ihrer gesamten Entwicklung war sie Jahrhunderte lang auf Wiedererkennbarkeit der abgebildeten Welt ausgerichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg rückte jedoch mit dem abstrakten Expressionismus bzw. Action Painting oder Informel eine Kunstform in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, die die Außenwelt – mehr noch als etwa der Kubismus – zu ignorieren schien: Bezüge zur sogenannten Realität konnten nur noch durch grobe Analogien hergestellt werden.

    Dem Bild eine Chance geben

    Für Künstler wie Jackson Pollock (1912–1956) war dies nur konsequent, konnte doch die Fotografie die Aufgabe der reinen Abbildung übernehmen und entstand so in der Malerei die Freiheit für neue Ausdrucksformen: „Der moderne Künstler drückt seine Gefühle aus, statt zu illustrieren“, sagte Pollock 1950 in einem Interview über die Wende der Künstler nach Innen, und dem Betrachter der Bilder rät er: „Ich finde, er soll überhaupt nichts suchen, sondern passiv schauen ... Gib dem Bild eine Chance, sage ich.“

    Diese Chance erhält man nun durch den Band Action Painting – Jackson Pollock. Der Titel deutet schon an, dass Pollock, der als der Vertreter der gestischen Malerei gilt, hier nicht als singuläres Phänomen aus dem Zusammenhang der Kunstgeschichte herausgelöst wird, obwohl er im Zentrum der Betrachtungen steht. Die vielfältigen Bezüge zu anderen Künstlerinnen und Künstlern – insgesamt werden Werke von 27 Hauptvertretern der gestisch-abstrakten Malerei präsentiert – lassen den Mythos des in Trance tröpfelnden Pollock schrumpfen und das Verständnis für seine Malerei wachsen.

    Pollock im Kontext

    Zwar klingt der Genie-Habitus in den Texten des Bandes gelegentlich noch einmal an. Allerdings wird durch den Vergleich des Amerikaners Pollock etwa mit den Europäern Picasso oder Wols eine den Atlantik überschreitende Perspektive eröffnet, gegen die Mär der isolierten künstlerischen Arbeit eines großen Einzelnen. Es entstehen interessante Bezüge, wenn zusammengefasst wird, wie sich Pollock an Picasso abgearbeitet hat und welche Verknüpfungen zwischen beiden Malern beispielsweise hinsichtlich bestimmter Strukturmodelle oder Malweisen – „Liniengeflecht-Gemälde“, Orientierung an Höhlenmalerei, nachträgliche Übermalungen – existieren.

    Insgesamt wird Pollocks Vorgehen in einen Kontext eingeordnet, der seine Leistung nicht schwächt, aber seine Arbeitsweise weg bringt etwa von einer „leichtfertigen Gleichsetzung der Dripping-Technik mit dem Automatismus“ der Surrealisten. Begriffe wie „Action Painting“ und „Dripping“ werden hinterfragt, gerne würde Katalogautor Ulf Küster den letzten durch „Pouring“ (schütten) ersetzen, was der Vorgehensweise Pollocks viel näher käme. Die Auseinandersetzung mit Pollocks Malweise, die auch Robert Fleck in seinem Beitrag führt, macht deutlich, wie wesentlich „körperliche Motorik“ (Fleck), „spontane Malgeste, unverfälschter Ausdruck des Selbst, Einfachheit des Materials und Radikalität der Durchführung“ (Küster), also der Körpereinsatz sind: „Die körperliche Aktion, die freien Gesten des Arms und der Hand entreissen dem Auge die Möglichkeit, in die Bildwerdung kontrollierend einzugreifen“ (Fleck).

    Freiheit der Gestik – Gestik der Freiheit

    Die Freiheit der Geste triumphiert laut Fleck zugleich über das alte „Klischee der Zentralperspektive“ wie über die moderne „Gleichförmigkeit des Medienbildes“. Überhaupt scheint „Freiheit“ oder „Befreiung“ eng mit gestischem Action Painting verbunden zu werden. Somit stand im Amerika der fünfziger Jahre erstmals eine Kunstform stellvertretend für die Freiheit „in einer Welt, in der mit Freiheit immer auch eine politische Haltung assoziiert wird“ (Alfred H. Barr Jr., Museum of Modern Art). Und finden im Gedanken der Freiheit letztendlich auch die vermeintlich getrennte Innen- und Außenwelt wieder zusammen.

    Weitere Künstler (Auswahl): Karel Appel, Lynda Benglis, Norman Bluhm, Jean Fautrier, Sam Francis, Helen Frankenthaler, Arshile Gorky, Hans Hartung, Eva Hesse, Gerhard Hoehme, Hans Hofmann, Asger Jorn, Franz Kline, Willem de Kooning, Lee Krasner, Morris Louis, Joan Mitchell, Robert Motherwell, Ernst Wilhelm Nay, Kazuo Shiraga, Pierre Soulages, Clyfford Still, Cy Twombly, Wols.

    Von Olaf Selg




















    Abb.: Number 4, 1950.

    Action Painting – Jackson Pollock. Text von Gottfried Boehm, Robert Fleck, Pepe Karmel, Jason Edward Kaufman, Ulf Küster. Hatje Cantz 2008. 204 Seiten. 218 Abb. davon 170 farbig, 2 Klapptafeln. ¤ 49,80. ISBN 978-3-7757-2102-8.

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