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Claudia Herstatt: Fit für den Kunstmarkt.

09.01.2008

Fitness für Kunstkäufer

"Fit für die Zukunft", "Fit für den Führerschein" und jetzt auch "Fit für den Kunstmarkt" – für jede Herausforderung gibt es das passende Buch, was will man mehr in Zeiten des "Survival of the Fittest".

 

Aber genug gelästert, ein Buchtitel muss sich nun einmal dem Trend anpassen, um den Weg in die Regale zu finden. Claudia Herstatt verweigert sich in ihrem Band "Fit für den Kunstmarkt" dann allerdings auf sympathische Weise schnelllebigen Tendenzen und rein gewinnorientierten Schnellschüssen. Im Kapitel "Kunst als Wertanlage" heißt es zuallererst: "Mehr als fragwürdig: Kunst als reine Investition." Sie setzt vielmehr auf den ruhigen, überlegten Kauf, der aus einem tatsächlichen Interesse an der Kunst heraus getätigt wird, und diesen Kauf kann es nur in Verbindung mit umfassender Information (= Fitness) geben.

In der Tat ist der Band ein Kunstmarkt-Informationspool, und zwar nicht nur oder zuallererst für angehende Sammler: Niemand wird wegen der Lektüre des Bandes anfangen, Kunst zu sammeln. Diese Entscheidung muss schon vorher gefallen sein, aufgrund von Leidenschaft und Risikobereitschaft, fundiertem kunsthistorischen Wissen und einem wachen Auge für hervorstechende Entwicklungen sowie einem einigermaßen ordentlich gefüllten Bankkonto. Klar ist auch: All diese Eigenschaften kann man sich natürlich nicht durch ein Buch aneignen. "Fit für den Kunstmarkt" ist eher ein ergänzender Leitfaden, der mit seinen Daten die Möglichkeiten für Anknüpfungspunkte - gerade auch für den Nicht-Sammler - darstellt.
Vielleicht ist man nach der Lektüre das Bandes wirklich in der Lage, besser im "Haifischbecken Kunstmarkt" zu bestehen. In jedem Fall verfügt man jedoch über eine Datenbasis, um sich in Galerien, Sammlungen und Museen umzuschauen oder zu Hause weiteres Wissen zu sammeln. Das Kapitel "Erst mal informieren vor dem Kunstkauf" stellt beispielsweise Informationsquellen im Print- und o­nlinebereich vor, die für jeden Kunstinteressierten etwas bieten.

In der Fülle das Materials kommen natürlich einige Punkte zu kurz: documenta, Biennale Venedig, Manifesta etc. werden im Kapitel "Adrenalinstoss: Die Grossereignisse" auf knapp vier Seiten abgehandelt - auch eine Kunst. Und konkrete Hilfestellungen, wie man sich unbekanntes Terrain praktisch erschließen könnte, fallen bisweilen recht kurz aus. Manches Mal wünscht man sich also mehr Text zu den insgesamt immer unterhaltsam geschriebenen Kapiteln wie "Abenteuer Auktion" oder auch "Geklaut, gefälscht, kaputt".

Zum Schluss aber wird klar, dass nur zweierlei hilft: sich anhand der reichlich mitgelieferten Daten bzw. weiterführenden Literaturvorschläge theoretisch weiterzubilden und die persönliche Fitness praktisch anzuwenden bei einem Besuch, dem Gespräch vor Ort.

Von Olaf Selg



Claudia Herstatt: Fit für den Kunstmarkt. Hatje Cantz 2007. 224 S. 14,80 ¤. ISBN 978-3-7757-1973-5

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