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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 25. April 2017 | 14:21

     

    Wolfram Völcker (Hg.): Was ist gute Kunst?

    23.07.2007


    Die Frage nach Leben und Tod?

    „Was ist gute Kunst?“ Diese Frage geht alle an, die sich mit Kunst beschäftigen.

     

    Nein, nicht nur angehende oder professionelle Sammler, denen im Vorwort das Buch ans Herz gelegt wird, sondern auch wer nur gelegentlich eine Ausstellung bzw. ein Museum besucht, wird sich angeregt durch Fragen wie „Und das soll Kunst sein?“ oder „Und dafür geben die Geld aus?“ auch mit der Frage der Qualität in der Kunst auseinander setzen.

    Diese mutet freilich etwas ketzerisch an, gab es doch einstmals die Beuys'sche Parole: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“ Warum also sollte sich dann noch die Qualitäts- oder Wert(e)frage stellen? Aber, um bei Joseph Beuys zu bleiben, wenn daraufhin über ihn und seine Kunst geäußert wird: „Was von Beuys dann übrig bleibt, sind Relikte einer Weltanschauung, die ohne seinen Geist und seine Persönlichkeit eben nur noch Relikte sind. Das ist tote Materie. Dieser ganze Beuys-Raum im Hamburger Bahnhof – ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand davon inspiriert ist“, erscheint es zunächst einmal erfrischend, dass man – bzw. Klaus Bußmann (Sprecher des Kunstbeirates der Bundesregierung) – diese ketzerische Bemerkung aussprechen darf. Denn er rüttelt damit nicht nur am Filz- und Fettsockel einer Ikone (und kratzt später übrigens auch noch am Marmor von Michelangelo), sondern verknüpft die Qualitätsfrage von Kunst bzw. Kunstwerk eng mit dem agierenden Künstler und seinem zeitlichen wie räumlichen Kontext.

    Dies sind nur einige Kriterien zur Beurteilung von Qualität in der Kunst, wie im Buch anhand von zwölf Beiträgen bzw. Interviews mit 13 Fachleuten deutlich wird. Der Herausgeber Wolfram Völcker geht dabei mit einer Systematik vor, bei der man ihm gern folgt: Er befragt bzw. lässt schreiben zur Qualität in der Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Videokunst, Fotografie und Skulptur und fordert konkrete Beispiele ein, deren Abbildungen die Texte illustrieren. Die Fragen, die er in den Interviews stellt, z.B. „Was verstehen Sie ganz allgemein unter 'Qualität' in der Kunst?“, „Gibt es allgemeine Qualitätsmerkmale in der Malerei (bzw. Zeichnung ...)?“, „Welches sind für Sie spezifische Qualitätsmerkmale der Malerei (...), die für andere Medien so nicht gelten?“, „Woran erkennen Sie ein herausragendes Werk?“ wiederholen sich zumeist und machen so die einzelnen Antworten zu den Gattungen vergleichbar. Es ist durchaus sinnvoll, als Leser zunächst einmal zu versuchen, sich diese Fragen selbst und ohne Hilfestellung zu beantworten, denn dann erkennt man schnell, mit welchen Herausforderungen die Profis hier zu kämpfen haben. So ist es nicht verwunderlich, dass etwa die Antwort von Urs Stahel (Fotomuseum Winterthur) mit der trefflichen Gegenfrage beginnt: „Gleich zu Beginn eines Interviews die Frage nach Leben und Tod?“

    Die Idee, zu jeder der Gattungen einen dichten Aufsatz und ein eher aufgelockertes Interview anzubieten, und die diskutierten Kriterien an konkreten Bildbeispielen darzulegen, ist ebenfalls sehr leserfreundlich. Man droht auf diese Weise nicht, vor einer Faktenmenge zu kapitulieren. Um es aber deutlich zu sagen: die Frage nach der Qualität von Kunst kann auch – oder gerade – nach der Lektüre dieses Buches nicht in einem universellen Dreizeiler beantwortet werden, den man bei der nächsten Party oder Vernissage mal eben so aus dem Gedächtnis kramt.
    Gudrun Inboden (Staatsgalerie Stuttgart) beispielsweise versteht es, alle Hoffnungen auf eine einfache Antwort rhetorisch elegant zu blocken: „Doch so nebulös für uns das Wort 'Qualität' und so ungeregelt sein Gebrauch auch sind, so liegt vielleicht gerade darin seine 'Qualität': Es eignet sich nämlich so ganz und gar nicht dazu, der Kunst ein bestimmtes Sosein zu- oder gar vorzuschreiben. Nehmen wir 'Qualität' also so vage, wie sie ist [...].“ Andere Antworten erscheinen dagegen bodenständiger: „Ein erstes Kriterium für eine bestimmte Qualität könnte sein, wenn wir von einem Kunstwerk auf anhieb gefesselt sind, auch wenn wir es nicht ganz verstehen“ (Matthias Harder, Helmut Newton Stiftung Berlin).

    Es ließe sich entlang der Texte durchaus eine handfeste Kriterienliste erstellen; doch was würde sie nützen? Eines wird in allen Beiträgen deutlich: Die Frage nach Qualität ist eine vielschichtige, ebenso zeit- wie kultur- und persönlichkeitsabhängig. Sie wird daher nicht nur alle paar Generationen neu beantwortet werden müssen, wie Klaus Bußmann meint, sondern im Laufe des Lebens immer auch von jedem Einzelnen, der sich intensiver mit Kunst beschäftigt, neue Bewertungskriterien erlernt und neue Ebenen in einem Kunstwerk erkennt.

    Von Olaf Selg












    Abb.: Daniel Richter:
    Dog Planet, 2002

    Wolfram Völcker (Hg.): Was ist gute Kunst? Vorwort von Gérard A. Goodrow, Text von Katja Albers, Kathrin Becker, Klaus Bußmann, Alexander Dückers, Matthias Harder, Christoph Heinrich, Wulff Herzogenrath, Gudrun Inboden, Jeremy Lewison, Friedrich Meschede, Andreas Schalhorn, Michael Semff, Urs Stahel. Hatje Cantz 2007. 168 S., 61 Abb., davon 50 farbig. 24,80 ¤. ISBN 978-3-7757-1976-6.

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