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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 23. Juli 2017 | 18:50

     

    H.-W. Schmidt (Hg.): Timm Rautert. Fotografien 1966-2006.

    12.07.2007


    "Wenn wir dich nicht sehen, siehst du uns auch nicht."

    Timm Rautert zählt zu den profiliertesten zeitgenössischen deutschen Fotografen.

     

    Jenseits der durch die einflussreiche „Düsseldorfer Schule“ Bernd und Hilla Bechers bestimmten Ausrichtungen einer typologischen Fotografie, ist Rautert in seinem vielschichtigen und umfassenden Werk die Verbindung zwischen angewandter und künstlerischer Fotografie eingegangen und eindrucksvoll gelungen. Die Lust am Sehen und Abbilden ist spürbar. In seinen Reportagen und Bilderserien bleibt ein sozialkritischer Blick bildimmanent, ohne vordergründig zu sein. Seine fotografischen Bild- und Medienanalysen befragen die Fotografie hinsichtlich Entstehung, Gesetzmäßigkeiten und Wahrnehmung, wobei ihnen die Einbettung des Mediums in einen kulturellen Zusammenhang gelingt, und die Bilder nicht im selbstreferentiellen Konzeptuellen verleibt.

    Rautert, geb. 1941 in Ostpreußen, studierte bei Otto Steinert an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen (1966-1971), begann während seines Studiums mit Porträt- und Reportagefotografie und arbeitete von 1970 bis in die frühen 1990er Jahre im Bereich der dokumentarisch-journalistischen, aber auch der Industriefotografie. Seine Bilder erschienen in „GEO“, „Merian“, „Stern“, „Sunday Times Magazine“, „Time Life“ und dem „ZEITmagazin“. Zahlreiche Bücher entstanden: „Zeitberichte“ (mit Michael Holzach), „Gehäuse des Unsichtbaren“, „Bildanalytische Photographie“, „Deutsche in Uniform“. Von 1993 bis 2003 war er Professor für Fotografie an der HfGB Leipzig.

    Das Fotobuch aus dem Steidl Verlag, das anlässlich einer Ausstellung zum Werk Timm Rauterts entstand – zu sehen gewesen in Leipzig und zu sehen in Hannover (ab November 2007) und Bonn (ab Mai 2008) – versucht nun eine erste umfassende Retrospektive in Buchform.

    In Bild und Text wird ein facettenreiches fotografisches Werk in seiner Entwicklung vorgestellt. Der umfassende Bildteil zeigt experimentelle Arbeiten („Bildanalytische Photographie“) und Bilder aus Andy Warhols „Factory“ neben Reportagen über die Contergan-Kinder, Obdachlose oder religiöse Gruppen der Hutterer und Amish. Präsentiert werden Rauterts zahlreiche Künstlerporträts ebenso wie Bilder seiner Werkstudien im Porsche-Werk Zuffenhausen.

    Die Texte vor und nach den Bildteilen – mitunter mit prätentiösen Überschriften versehen – beleuchten Leben und Werk in instruktiver Weise. Man erfährt etwas über Rautert, seine Arbeitsweise, seine Technik, seine Bilder sowie deren ikonografischen und ikonologischen Hintergrund. Eine umfangreiche Bibliografie (Lisa Marei Schmidt) und das Abbildungsverzeichnis zeugen von editorischer Sorgfalt.

    Als besonderer Versuch der Annährung an einzelne Bilder können die sechs Bildbetrachtungen gewertet werden, die sich mit dem jeweils ersten Foto der Bildteile befassen. Lassen sie mitunter den kunsthistorischen Hintergrund der Verfasser allzu deutlich werden, ungenau oder tendenziell in ihrer Beschreibung und Zuschreibung sein oder Gemeinplätze aufweisen, stehen sie doch für einen seit einiger Zeit zu verzeichnenden veränderten Umgang mit Fotografien, der über die bloße Aneinanderreihung von Bildern ohne verbale Betrachtung hinausgeht, und dem Anwendung zu wünschen ist. Ein stärker am Bild orientiertes Lektorat wäre hier hilfreich gewesen.

    Der in seiner Ausführung edle Band ist typografisch solide gestaltet und mit sehr guter Druckqualität hergestellt. Als kleiner Fehler zu kritisieren wäre die mitunter fehlende Korrespondenz zwischen den Bildteilüberschriften und den entsprechenden Titeln im Inhaltsverzeichnis. Auch die unterschiedlichen Schriftgrößen der Bildteilüberschriften wirken wie Flüchtigkeitsfehler, die leicht hätten vermieden werden können.

    Diesem Band ist jedoch etwas Erstaunliches und Herausragendes gelungen: Er macht Lust darauf, mehr von Rauterts Bildern zu sehen: im Original, die Serien und Reportagen in ihrer Vollständigkeit. Nichts Selbstverständliches für ein Fotobuch.

    Von Matthias Struch





















    Hans-Werner Schmidt (Hg.): Timm Rautert. Wenn wir dich nicht sehen, siehst du uns auch nicht.
    Fotografien 1966-2006.
    Mit Texten von Lothar Altringer, Florian Ebner, Carolin Förster, Falk Haberkorn, Ulrich Krempel, Hans-Werner Schmidt, Inka Schube, Jeannette Stoschek, Kerstin Stremmel und Brigitte Werneburg,
    Steidl Verlag 2006
    296 S. mit zahlr. Farb- und Sw-Fotos. 50 ¤.
    ISBN 978-3-86521-418-8

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