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Maler Mörder Mythos. Geschichten zu Caravaggio.

18.10.2006

Maler - Mörder - Mythos
Michelangelo Merisi da Cravaggio (1571–1610), kurz Caravaggio genannt, war ein eigenwilliger Typ. Hochbegabt hat er sich durch sein aufbrausendes Temperament immer wieder in Schwierigkeiten gebracht und damit letztendlich wohl auch seinen frühen Tod selbst verschuldet, mitbedingt durch seine Flucht aus Rom. Es war ein Mord oder Totschlag im Jahr 1606, der ihn den kurzen Rest seines Lebens verfolgte und aus Rom fliehen ließ, wo er zwischenzeitlich in recht gesicherten Verhältnissen lebte.

 

Seinen kunsthistorischen Wert hat Caravaggio durch die pointiert-schlaglichthafte Lichtsetzung, die sich in seinem Werk um die Jahrhundertwende durchzusetzen begann. Darüber hinaus kann man seine für die damalige Zeit frechen Bildelemente (realistisch-naturalistische Spuren wie die des Alterns bei einigen Figuren oder die der schmutzigen Füße im Bild der „Rosenkranzmadonna“) ebenso goutieren wie seine zum Teil gewagten Kompositionsanordnungen.

Dem Maler wurde nun im Zusammenhang mit einer Ausstellung in Düsseldorf ein literarisches Denkmal gesetzt. Es ist schon eine eigenwillige Mischung von Autorinnen und Autoren, die hier zusammengestellt wurde, mit einem nachvollziehbaren Schwerpunkt auf Autoren aus der kriminalistischen Sparte, da Caravaggio, der vermeintliche Mörder, in dieser Hinsicht wohl ein besonderes erzählerisches Potential birgt: Kurzgeschichten (und ein Langgedicht) von Andrea Camilleri, Gerhard Falkner, Nino Filastò, Florian Illies, Tanja Kinkel, Henning Mankell, Ingrid Noll und Arnold Stadler umkreisen Caravaggio im Spannungsfeld der titelgebenden Stichworte „Maler Mörder Mythos“. Bekannte Fakten und individuelle Fiktionen der Autoren vermengen sich zu subjektiven Herangehensweisen an Maler und Werk.

Die Idee an sich ist sehr begrüßenswert: Warum soll man sich nicht zu einer real existierenden Figur der Kunst einmal andere Gedanken machen als rein kunsthistorische? Vielleicht führt gerade der Weg über die Fantasie ja sogar näher an die Person heran, als es die vermeintlich exakten Versuche der Wissenschaft und biografischen Geschichtsschreibung mit dem manchmal recht dünnen Faktengerüst je können.

Leider sind dem Buch – bis auf die Umschlagabbildung – keine Bilder beigegeben. Daher bleiben die Texte, die sich stark auf bestimmte Werke von Caravaggio beziehen, ein wenig in der Luft hängen. Allerdings hätte das Hinzufügen von Abbildungen den für knapp 8 Euro sehr erschwinglichen Band sicherlich merklich verteuert.

In jedem Fall ist es eine glückliche Wahl, Ingrid Nolls Text an den Anfang zu stellen. Sie lässt eine lebendige Geschichte um den Fakt entstehen, dass Caravaggio oft auf Prostituierte als Modelle zurückgriff, etwa für das Bild „Judith enthauptet Holofernes“. Sehr erhellend ist auch der Beitrag des Italieners Nino Filastò, der u. a. die zwielichtige Rolle der Kirche zu Caravaggios Lebzeiten hinterfragt.
Und selbst der nur vermeintlich spitzfindige Text von Florian Illies oder die etwas trockenen Beiträge von Gerhard Falkner und Henning Mankell (Langgedicht) dürften die eigentliche Funktion des Bandes erfüllen: ein Interesse für das Betrachten des Werkes von Caravaggio zu wecken, sei es in der aktuellen Ausstellung (noch bis zum 07.01.2007 im museum kunst palast in Düsseldorf,) oder in einem Bildband.

Von Olaf Selg



Jean-Hubert Martin, Bert Antonius Kaufmann (Hg.): Maler Mörder Mythos.
Geschichten zu Caravaggio.
Hatje Cantz 2006.
112 S. ¤ 7,95.
ISBN 3-7757-1807-9

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