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Berlin -Tokyo/Tokyo - Berlin. Die Kunst zweier Städte.

14.09.2006

Große Städte – große Kunst

Berlin und Tokyo, zwei Städte, die grundverschieden sind und doch in ihrer Entwicklung Parallelen aufweisen: Beide Metropolen starteten ihre Karrieren als Hauptstädte ungefähr gleichzeitig, Ende des 19. Jahrhunderts, und beide waren in ihrer Geschichte u. a. der Sitz eines totalitären Regimes, das vor nichts zurückschreckte. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Tokyo dann zunehmend zu einer Mega-Metropole, während Berlin erst einmal nur noch zur Hälfte Hauptstadt war, und insgesamt den Verlust an Menschen, an Künstlern nur langsam ausgleichen konnte.

 

Der Katalog und die Ausstellung Berlin – Tokyo/Tokyo – Berlin zeichnen einen regen künstlerischen Austausch nach, der seit Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts stattfindet. Natürlich erscheinen aus deutscher Sicht die Verbindungen insgesamt nicht so intensiv wie etwa zu Paris oder New York, aber man kann sich immer wieder überraschen lassen, wie weit Stile bzw. Strömungen zum Beispiel über den bekannten, oft mit Kirschblüte und Kimono klischeebeladen wirkenden „Japonismus“ hinaus einflussreich waren.
Dies wird zum einen in Übersichtskapiteln veranschaulicht, etwa zum „Einfluss der deutschen Kunst auf die japanische Malerei im frühen 20. Jahrhundert“. Zum anderen werden aber auch einzelne Gruppierungen fokussiert betrachtet, um beispielsweise den „Dadaismus in Japan“ darzustellen. Aber auch die umgekehrte Einflussrichtung Tokyo-Berlin kommt zur Sprache z. B. in „Die Brücke und die japanische Exotik“.

Die gemeinsamen „dunklen Jahre 1931–1945“ kommen vielleicht etwas zu kurz; aber man darf bei diesem ehrgeizigen Projekt, über 100 Jahre Kunst zweier Metropolen darzustellen in den Sparten Malerei, Installation, Fotografie, Video und Architektur, aber auch Film, Comic/Manga und einem Abstecher in die Literatur, keine Vollständigkeit erwarten.

Alles in allem wird man mit reichlich Bildmaterial und essayistischen Texten zu vielen Aspekten einer gemeinsamen Vergangenheit und Gegenwart durch verschiedene Zeit- und Entwicklungsphasen geführt, die generell das Verständnis beider Kunst- und Kulturkreise füreinander verstärken dürften, unabhängig vom „Hauptstadtbonus“ von Berlin und Tokyo.

Von Olaf Selg









Abb.: Ushio Shinohara: Fest der Frauen, 1966.

Angela Schneider, Gabriele Knapstein, David Elliott, Mami Kataoka (Hg.): Berlin – Tokyo/Tokyo – Berlin. Die Kunst zweier Städte. Texte von Jaqueline Berndt, David Elliott, Terunoba Fujimori, Michael Haerdter, Irmela Hijiya-Kirschnereit, Roland März, Tsutomu Mizusawa u. a. Hatje Cantz 2006. 352 Seiten, 349 Abb., davon 243 farbig. 35 ¤. ISBN 3-7757-1804-4

Die Ausstellung ist noch bis zum 03. Oktober 2006 in der Berliner Neuen Nationalgalerie zu sehen.

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