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ZERO - Internationale Künstler-Avantgarde der 50er/60er Jahre

29.06.2006


Nullpunktsetzung in der Kunst?

„ZERO ist Stille. ZERO ist der Anfang. ZERO ist rund. ZERO dreht sich.“ (Manifest ZERO)

 

Die Versuchung, die Vergangenheit abzuschütteln und eine „Stunde Null“ zu setzen, ist ebenso groß wie illusorisch. Der Wunsch ist in Zeiten, in denen die Vergangenheit aus Vertreibung, Vernichtung und dessen Verdrängung bestand und der Weltkrieg viele Künstler aus dem Land oder aber in den Tod trieb, jedoch durchaus verständlich.

Das Anliegen von „Zero“, zunächst der Name einer Zeitschrift, dann einer Künstlergruppe von ca. 1958 bis 1966 in Düsseldorf, war kein allein rheinländisches oder deutsches. Es handelte sich vielmehr um eine – immer noch unterschätzte? – internationale Avantgardebewegung. Günther Uecker, Heinz Mack und Otto Piene, die Initiatoren der Düsseldorfer Gruppe, trafen auf Gleichgesinnte nicht nur im übrigen Deutschland, sondern auch in Frankreich, Italien, Holland und Japan, und trug die Kunst dazu bei, die aus den vergangenen Kriegen resultierenden Entfremdungen zu überwinden.

Schaut man sich die diversen Werke an, die unter dem Einfluss von „Zero“ entstanden, wie „Nouveaux Réalistes“, „Azimuth“, „Nul“ oder „Gutai“, so kann man sie in Form bzw. Gestalt oder Material kaum zusammenfassend beschreiben, so unterschiedlich, so wenig statisch, so experimentell fallen sie aus – und genau das ist eines ihrer hauptsächlichen gemeinsamen Charakteristika: das unkonventionelle, aber eher ernsthafte (und nicht etwa dadaistische) Experiment. Das natürlich auch in eine stilistische- oder farblich-materielle Falle führen konnte, denn Uecker etwa durfte nur noch Nägel einhämmern, wollte er wiedererkannt werden, und Ives „le monochrome“ Klein musste während seines kurzen Lebens seinem einmal erfundenen, unglaublichen Blau treu bleiben.

Das Experimentieren war allerdings kein Selbstzweck, sondern diente der Zusammenführung von Kunst und Leben unter Einbeziehung der Elemente Feuer und Wasser, Licht und Luft und damit auch der aktiven Eroberung des öffentlichen Raumes. Sky Art (O. Piene), Feuerbilder, Anthropometrie (= Körperabdruck; I. Klein), durchschnittene Leinwände (Lucio Fontana) – dies sind nur einige der ungewöhnlichen Techniken, mit denen man in Bewegung und Aktion den Aufbruch hin zur neuen Freiheit des künstlerischen Ausdrucks suchte und fand.

Der Band ZERO – Internationale Künstler-Avantgarde der 50er/60er Jahre enthält nicht nur viele Abbildungen, sondern auch eine Vielzahl lesenswerter Aufsätze bzw. Essays etwa zu den verschiedenen Strömungen in den einzelnen Ländern (zwei Mängel: die durchgehend zu kleine Schrift und das Fehlen des Abdrucks des eingangs zitierten Manifests). Gelungen ist die tabellarische „Chronologie“ in Wort und Bild, die, beginnend mit 1946, die Entwicklung hin zu ZERO einbezieht. Ein Werkverzeichnis und Kurzbiografien zu allen 48 vertretenen Künstlern runden den informativen und ansehnlichen Band ab.

Von Olaf Selg


museum kunst palast (Hg.): ZERO – Internationale Künstler-Avantgarde der 50er/60er Jahre. Mit Texten von Bazon Brock, Tiziana Caianiello, Heinz-Norbert Jocks, Catherine Millet, Lóránd Hegyi, Valerie L. Hillings, Heike van den Valentyn, Atsuo Yamamoto, Mattijs Visser.
Hatje Cantz 2006.
Geb. 336 S., 506 Abb., davon 202 farbig.
ISBN 3-7757-1747-1

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