TITEL kulturmagazin
Montag, 27. Februar 2017 | 18:59

 

Xenia Hausner: GlücksFall.

09.03.2006

Blickkontakt

Das Cover des Bildbands GlücksFall von Xenia Hausner spricht sofort an: wo einen zwei Augenpaare anschauen, die genau zu registrieren scheinen, was bzw. wen sie sehen, von dem kann man den Blick nicht einfach abwenden.

 

Es ist die von diesen Augen ausgehende reservierte Neugierde, die einen in den Band hineinbegleitet, wo man mit farbsatten Bildern, insbesondere inszenierten Porträts, belohnt wird. Das extrabreite Buchformat bietet darüber hinaus Raum für eine cinemascopeartige Präsentation von Bildern bzw. Bildausschnitten auf Doppelseiten, die Hausners Malweise besonders gut sichtbar machen. Ebenso gelungen ist die Gegenüberstellung von Gemälden, Mixed Media aus Fotografie und Malerei und Fotos, die sich farblich und/oder thematisch entsprechen.

Die theoretischen Ansätze zur Auseinandersetzung mit der Kunst Hausners sind dagegen eher kryptisch. Eine metaphorische Annäherung über das Mikado-Spiel (Katharina Syroka) scheint mehr Rätsel aufzugeben als Einblicke zu gewähren. Man muss sich Hausner auch nicht über Winckelmann, Lessing und die Beschäftigung mit der Laokoon-Gruppe annähern, wie Rainer Metzger in seinem Aufsatz. Schlüssiger erscheint da seine Bezugnahme auf Porträts von Edouard Manet, doch dieser Ansatz wird leider nicht konsequent verfolgt. Dabei springen Parallelen zwischen der Präsentation und der Haltung von Figuren geradezu ins Auge: „Die Figuren sind da, so präsent wie präsentiert. Sie haben kein Problem mit der Gegebenheit des Posierens.“ Hausner selbst vermeidet das Anbiedern an die Abgebildeten etwa durch symbolisches Überhöhen.

Konkreter wird Carl Aigner in seinem Text „Von der Malerei zur Photographie und retour“ und widmet sich der Arbeitsweise Hausners, u.a. der Verbindung von Malerei und Fotografie. Leider bleibt die Herkunft der den Werken Hausners beigefügten Fotografien ungeklärt, ebenso wie auch insgesamt ausführliche biografische Daten zu Xenia Hausner fehlen (vgl. hierzu http://www.xeniahausner.de).
Das Wichtigste aber, ihre Bilder seit 2000 werden mehr als ansprechend präsentiert. Und es scheint sich immer wieder zu zeigen, dass es der Blick ist, den Hausner ihren Figuren gibt, der auch vieles von ihrem Blick auf die Welt mitteilt.

Von Olaf Selg
















Abb.: Body Talk, 2005. Mixed Media auf Dibond.

Xenia Hausner: GlücksFall.
Prestel Verlag 2005.
Geb. dt./engl., 136 S. 90 farb- und 10 sw-Abb.
Preis 39,95 ¤.
ISBN 3-7913-3537-5

Wer will fleißige Handwerker sehn

Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

Petraeus und sein Stab

Die menschliche Existenz ist voll von Paradoxa. Krieg etwa gehört zu den schlimmsten Dingen, die Menschen einander antun können; die Ausführenden des Kriegs allerdings, das ...

Die böse Schlange
und das weiße Kaninchen

In diesem Land stimmt etwas nicht. Der Feminismus nämlich. Schwach steht er da, der Wind pfeift durch die Löcher seines theoretischen Unterbaus. Ähnlich steht es mit den Frauen. ...

Vom großen Lama aus der Regent`s Park Road

Tristram Hunt widmet dem Schatten von Karl Marx, der selbst ernannten »zweiten Violine« des Marxismus, dem Industriellenerben Friedrich Engels eine ...

Die Geschichte geht weiter

Wieder ein Weltbestseller – Carlos Ruiz Zafóns Roman Der Gefangene des Himmels. Von PETER MOHR

Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter