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Montag, 27. Februar 2017 | 19:04

 

C. Brockhaus (Hg.): Lehmbruck, Rodin und Maillol.

24.11.2005

Mehr als Gedankenbildnisse

Zum 100jährigen Jubiläum des Lehmbruck Museums in Duisburg werden Werke von Auguste Rodin (1840-1917), Aristide Maillol (1861-1944) und Wilhelm Lehmbruck (1881-1919) verglichen - im Museum und auf Papier.

 

Die Gegensätze können kaum eklatanter sein: da ist einmal Auguste Rodins "Denker" (1880/81), "so muskulär wie ein Boxer" (Lehmbruck), und da ist der "Kopf eines Denkers" von Wilhelm Lehmbruck (1918). Während man Rodins "Denker" zutraut, bei aller geistigen Auslastung zur Not auch mal mit den Händen harte Nüsse knacken zu können, bliebe Lehmbrucks thematischem Pendant alleine die Hoffnung auf ausreichend geistige Nahrung. Gerade einmal Schulterstümpfe und eine reliefhafte linke Hand vor der Brust bleiben ihm für den Zugriff auf die Welt. So scheinen dieser Nachweltkriegsfigur die Gedanken an Tod und Scheiterns fast den Schädel zu sprengen, während Rodins "Denker" pralle Möglichkeiten des Daseins verkörpert. Und Aristide Maillol? Seine "Gedanke" ist weiblich und stammt von 1902-1905, ruht in sich und wirkt, mehr als die anderen Werke, weniger um des Themas als um der Figur Willen geschaffen. Wie die Geburtsstunden dieser Künstler so liegen auch die genannten Werke in Schritten von jeweils ca. 20 Jahren auseinander, bei allen Gemeinsamkeiten ein Indiz für die Eigen- bzw. Verschiedenheiten der drei Genannten.

Deutlich wird in den Gegenüberstellungen des Bandes, gegliedert u.a. nach "Büsten", "Weibliche Figur", "Weibliche Torsi" und den oben genannten "Gesten der Meditation": Thematische Parallelen lassen sich zu beiden Bildhauern gleichermaßen finden. Stilistisch schwankt Lehmbruck jedoch lange. Er scheint immer wieder vor seiner ureigenen Formensprache, die wohl stärker in Anlehnung an die mittlere Schaffensphase von Rodin und seine bildhauerischen Gesten entstanden ist ("Der verlorene Sohn", 1886), aber auch an die ihrem Meister Rodin phasenweise ebenbürtige Schülerin und Geliebte Camille Claudel erinnert (z.B. in "Die Flehende", div. Fassungen 1894-1905), zurückzuschrecken und Deckung zu suchen hinter dem klassisch abgesicherten, geometrischen Figurenkonzept von Maillol. Letztendlich aber hat Wilhelm Lehnbruck über Rodin und Maillol hinaus einen eigenen Stil gefunden, in seiner viel zu früh endenden Reifephase: 1919 nahm sich der 1881 in Duisburg geborene Bildhauer das Leben.

Unglücklich an diesem Abbildungsband ist die "Zahlenverwirrung" in der numerischen Abfolge des Katalogs: offenbar wurden die thematische Zuordnungen nach der ursprünglichen Nummerierung vorgenommen, so dass das Aufsuchen der in den Katalogbeiträgen benannten Katalognummern des Öfteren zu einem Suchspiel wird; dem hätte durch die Nennung auch der Seitenzahlen für die Abbildungen abgeholfen werden können.


Sehr erfreulich ist dagegen das Verzeichnis der ausgestellten Werke, nach Künstlern sortiert und mit über die Katalogtexte hinausgehenden Detailinformationen.

Von Olaf Selg


















Christoph Brockhaus (Hg.): Lehmbruck, Rodin und Maillol.
Mit Beiträgen von Hans Joachim Albrecht, Christoph Brockhaus, Gottlieb Leinz, Hélène Marraud und Heinz-Günter Prager.
Wienand 2005.
Geb. 176 S. mit 60 farb- u. 113 s/w-Abb. 34,00 Euro.
ISBN 3-87909-872-7

Die zugehörige Ausstellung im Lehmbruck Museum in Duisburg ist noch bis zum 29. Januar 2006 zu sehen.

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