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Gerhard Glüher (Hg.): Ulrike Rosenbach. Wege zur Medienkunst 1969-2004.

15.09.2005

35 Jahre Medienkunst

Herausgeber Gerhard Glüher versucht das fast Unmögliche möglich zu machen: das Schaffen der Medienkünstlerin Ulrike Rosenbach (geb. 1943), deren Werke insbesondere von der Live-Performance bzw. von bewegten Bildern leben, zwischen zwei Buchdeckeln zu präsentieren.

 

Gleich vorweg: Glüher und seinen Mitautoren gelingt ihre Aufgabe recht gut. Das Einzige, was es grundsätzlich zu kritisieren gibt, ist wohl nicht ihnen geschuldet: dass es keine CD/DVD mit wenigstens einer Aufnahme von einer Performance oder einem Videokunstwerk als Beigabe gibt. Dies wäre das entscheidende Element gewesen, um das Prozessuale der Arbeit von Ulrike Rosenbach noch sichtbarer und damit atmosphärisch nachvollziehbarer zu machen. So ist man darauf angewiesen, der Kombination aus Beschreibungen und vielen Stand- bzw. Szenenfotos zu folgen, und das ist natürlich nicht immer ganz einfach, nicht immer ganz eindeutig.

Zum theoretischen Einstieg in das reichhaltige Werk von Rosenbach zerlegt Glüher zunächst gekonnt bestehende Deutungs- und Rezeptionsmythen und korrigiert sie um wesentliche Aspekte. Ist die Beuys-Schülerin Rosenbach nun allein eine feministische Künstlerin, Performerin, Rollenspielerin, Bildhauerin bzw. Plastikerin, Zeichnerin, Schamanin, Priesterin und/oder ...? So wie ihre Aktionen ein multimediales, permanentes In-Frage-Stellen sind, kann man sich bei der Auseinandersetzung mit dem Werk von Ulrike Rosenbach an keiner Stelle mit einer derartigen Zuordnung einfach zufrieden geben.
Schon in diesen ersten Texten wird deutlich: die Auseinandersetzung mit Rosenbachs Kunst ist keine einfache. Ganz im Gegensatz zu dem Ruf, der die Rezeption etwa von bewegten (Fernseh-)Bildern im Allgemeinen begleitet - nur Hinschauen reicht nicht, denn eine Performance und damit auch ihre Aufzeichnung „ist immer der Kulminationspunkt eines Themas, das hier in hoher Konzentration und zeitlicher Verdichtung dargestellt wird“. Diesem Prinzip scheint im Übrigen auch Glüher in seinen Texten selbst zu folgen, sie sind wahrlich keine leichte Kost.

Sehr erfreulich ist, dass es in dem Band neben dem deutenden, analysierenden Blick von Außen auf Rosenbachs Arbeiten auch Interviews und ein Statement mit bzw. von ihr gibt. So werden von ihr z. B. Motive für ihr Schaffen erläutert oder auch mögliche Deutungsfehler ausgeräumt. Eine tabellarische Biografie sowie ein Werk- und ein Ausstellungsverzeichnis runden den Band ab.

„Mein Interesse sind die psychischen Prozesse im Menschen, mein Background ist die Überzeugung, dass Männer total andere psychische, gesellschaftliche Verfasstheiten haben als Frauen. Daß sie darum auch eine ganz andere Sichtweise der Dinge haben, aber nicht die einzig mögliche oder wahre. Deshalb machen Frauen natürlicherweise auch eine andere Kunst, wenn sie bewusst arbeiten. In diesem Sinne bewusst arbeiten heißt, kritisch zu arbeiten und das heißt für mich als Frau, Künstlerin feministisch zu arbeiten.“ (1982)

Von Olaf Selg



Abb.: Venusdepression - Medusaimagination. Performance, 1977

Gerhard Glüher (Hg.): Ulrike Rosenbach. Wege zur Medienkunst 1969-2004.
Wienand 2005.
Geb. 240 Seiten mit 176 Farb- und 145 s/w-Abbildungen. 44,00 Euro.
ISBN 3-87909-860-3

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