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Christoph Brockhaus (Hg.): Stadtlicht - Lichtkunst.

10.03.2005

 
Inszenierung des Lichts

Die Wahrnehmung des weitaus größten Teiles der (ab)bildenden Kunst ist auf Gedeih und Verderb mit dem Phänomen "Licht" verbunden. Doch "Licht" selbst kann nicht nur zur Kunst beitragen, sondern auch zum Kunstwerk selbst werden.

 

Der Katalog Stadtlicht – Lichtkunst fasst sein Thema zunächst angenehm profan an. Er macht überhaupt erst einmal aufmerksam auf das Thema "Licht" – im vorliegenden Band zumeist gleichzusetzen mit künstlichem Licht –, auf die Auswirkungen auf das Leben der Menschen bei zunehmender Ausleuchtung des Lebensraums Stadt, der in einem besseren Licht erscheinen soll. Betont wird die Bedeutung des Ausbaus der Beleuchtung nicht zuletzt für das soziale Miteinander und die Arbeitswelt, so dass das Leben unabhängig wurde vom natürlichen Kreislauf des Tageslichts. Ausgehend von solcherlei historischen Erwägungen von den Anfängen des künstlichen Lichts spannt sich der Bogen bis hin zur "Lichtverschmutzung" – wer jemals das Vergnügen hatte, etwa in unmittelbarer Nähe einer flackernden Reklame zu nächtigen, weiß, wovon die Rede ist.

Die Autoren um Herausgeber Christoph Brockhaus leuchten die Thematik profund aus und verstehen den Zusammenhang zwischen Leben, Licht und Kunst sowohl schlüssig herzuleiten als auch zu gliedern. Der aus einem regionalen Projekt in Duisburg hervorgegangene Band widmet sich dabei ebenso den überregionalen Pionieren der Lichtkunst (z. B. László Moholy-Nagy, 1895–1946) wie den lebenden Großmeistern (z. B. Otto Piene, geb. 1928) und dem leuchtenden Künstlernachwuchs (z. B. Claudia Wissmann, geb. 1964).

Der Zusammenhang zwischen Licht und Kunst wird am offensichtlichsten im öffentlichen Raum: die Beleuchtung eines Platzes, das Anstrahlen eines Denkmals, die aufgrund der Innenbeleuchtung weithin sichtbaren Gebäude, die um Aufmerksamkeit heischende Neonreklame – vieles ist darauf angelegt, den Blick auf sich zu lenken. Das Spektrum des Katalogs ist entsprechend umfassend: Kapitel wie "Naturlicht, Architektur und Skulptur" betonen die dienende Rolle des (Kunst-) Lichts, "Licht-Projektionen" eher die sich am architektonisch-städtebaulich Bestehenden festmachende Kreativität im Umgang mit Licht, "Lichtfenster und Lichtkästen" die eigene Objekthaftigkeit von Licht-Kunstwerken, "Laser-Licht" die technische Komponente am Puls der Zeit und "Licht-Aktionen" das Aktionistische und damit auch das Vergängliche von bestimmten Lichtkunstwerken.
"Lichtkunst nutzt zwar oft die örtlichen Gegebenheiten (wie Mauern, Türme und Industrieanlagen), in ihrer schönsten Form macht sie uns aber unabhängig von ihrer Materialisierung auf Gesetzmäßigkeiten, Widersprüche und Sinnzusammenhänge aufmerksam." (Rainer Guski)

Olaf Selg


 
Christoph Brockhaus (Hg.): Stadtlicht – Lichtkunst. Ein Projekt der Initiative Stadtbaukultur des Landes NRW.
Foto-/Textband mit 181 Farb- und 33 s/w.-Abb.
Wienand 2004.
Geb. 232 Seiten. 39,80 Euro.
ISBN 3-87909-852-2

Abbildung: Jonathan Park: Illumination des Hüttenwerks im Landschaftspark Duisburg-Nord, 1996.

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