TITEL kulturmagazin
Montag, 27. Februar 2017 | 19:04

 

Wulf Liebau: Berlin.

10.02.2005

 

Stürzende (Neu-)Bauten

Wulf Liebau zeigt in einem Panorama-Bildband in außergewöhnlichem Format, dass man Berlin immer noch neue optische Reize abgewinnen kann.

 

Berlin ist nicht wirklich schön, Berlin ist nicht wirklich hässlich – aber Berlin kann wirklich interessant anzuschauen sein. Die Wandlungsfähigkeit der Ansichten ist nicht nur durch die permanenten Um- und Neubauten bedingt, sie ergibt sich auch daraus, dass immer wieder Kreative, Fotografen und andere Künstler, ihren individuellen Blick auf die Stadt suchen. Trifft dies zusammen mit einem außergewöhnlichen Bildformat, ist Berlin als Objekt der Betrachtung immer für eine Überraschung gut. Das schon tausendmal Gesehene wandelt sich durch die Fokussierung auf ein neues Detail oder durch eine neue Perspektive, und schon hat man als Betrachter ein neues Bild im Gedächtnis. Wenn also der Berliner in seiner ihm eigenen Arroganz gerne vermeldet: „Det kenn ick doch eh schon, wa“, so zeigt der Fotograf und Wahlberliner Wulf Liebau (geb. 1943), wie sehr man sich täuschen kann.

Hochkarätiges im Hochformat

Die bevorzugten Stilmittel seiner Schwarz-Weiß-Fotografien sind das Spiel mit Licht und Schatten sowie Überlängen und einhergehend damit das Aufeinandertreffen kurzer Waagrechten mit langen Bilddiagonalen – wen wundert's bei diesem Format. Das Hochformat verlangt natürlich geradezu die stürzende Linie, und Liebau geht mit diesem Gestaltungselement nicht gerade sparsam um, weiß es aber in der Regel ausdrucksstark einzusetzen.
Verfallenes oder Älteres ist für ihn ebenso interessant wie Neugebautes, gerne stellt er beides in einer Aufnahme in Kontrast zueinander und erhöht so die Spannung der Bildaussage, ohne allerdings aufdringlich bedeutend wirken zu wollen.

Erschienen ist Wulf Liebaus Fotoband, der von zwei kurzen Texten von Monika Maron und Heinz Dürr zum Berliner Lebensgefühl begleitet wird, in der Reihe „Bibliothek“ der Edition Panorama. Die Edition Panorama veröffentlicht, wie der Name schon sagt, Panorama-Fotografie. Als Pionier auf diesem Gebiet gründete Bernhard Wipfler vor fast zehn Jahren seinen Verlag in Mannheim.
Ausgangsort für die Herausgabe der nicht nur im Format außergewöhnlichen Fotobände ist also nicht gerade eine Weltstadt, obwohl sich die Bücher thematisch gerne mit Weltstädten wie Berlin (15 x 34 cm), Paris (22 x 50 cm) und natürlich New York (10 x 22, 16 x 33 oder 22 x 50 cm im Hochformat), aber auch mit exotisch anmutenden Landschaften wie der Sahara oder Tibet beschäftigen (Querformat).

Qualität durch Gestaltung

Auf den Verlag aufmerksam werden kann man nicht nur durch seine fertigen Produkte. Auch das Verlagsprogramm ist außergewöhnlich ästhetisch gestaltet, fällt auf und heraus aus der Riege der 08/15-Kataloge, die einem in einer Buchhandlung in die Hände geraten können. Bernhard Wipfler präsentiert seinen Verlag aufwändig mit einem aus diversen kleinen Katalogen kombinierten Leporello, das, dem Verlag entsprechend, auf einer Seite ein Panoramafoto zeigt. Damit spiegelt das Werbe- und Informationsmaterial wider, was zumindest den hier vorgestellten Berlin-Band auszeichnet: Qualität. Natürlich ist eine sorgsam gestaltete Produktwerbung noch lange kein Garant für ein ausgefeiltes, ansprechendes Produkt selbst. Jedoch haben einige der Bildbände schon Designerpreise für Konzept und Gestaltung erhalten – ein nicht unwesentliches Indiz dafür, beim Erwerb eines der Bildbände ein sich lohnendes Buch in den Händen zu halten.

Olaf Selg



Wulf Liebau: Berlin. Photoband.
Edition Panorama. 2004.
Geb. Format 15 x 34 cm. 120 S. mit 50 ganzs. Duoton-Abb. und kurzen Texten in dt., engl. und franz.
32,80 ¤.
ISBN 3-89823-168-2

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