TITEL kulturmagazin
Montag, 27. Februar 2017 | 19:05

 

German Art.

02.12.2004

 
Die deutschen Skeptiker der Kunst

Der deutsch-amerikanische Austausch von Kunstwerken geht weiter – auch zwischen Buchdeckeln.



 

Das MoMa war in Deutschland, das Saint Louis Art Museum auch. Die Anwesenheit des MoMa in Berlin blieb wohl kaum jemandem – ob Kunstinteressiert oder nicht – verborgen. Die Anwesenheit des Saint Louis Art Museum in Frankfurt am Main auch? Wohl kaum. Ist das etwa die Schuld der durchwegs deutschen Künstler, deren Arbeiten das Saint Louis Art Museum für zwei Monate nach Deutschland reimportierte? Man kann es sich ersparen, den Wert bzw. die Wertigkeit der Kunstwerke der beteiligten Museen als Begründung für derlei Schwankungen in der öffentlichen Wahrnehmung heranzuziehen und gegeneinander auszuspielen. Fakt ist vielmehr: Wer in seinem Leben nicht nach Saint Louis fahren wird, um die herausragende Sammlung deutscher Kunst in Amerika zu sehen, – und das werden wohl die meisten sein – und wer die Ausstellung im Städel verpasst hat – dito – der greife getrost zum vorliegenden Katalogbuch.

Die Lektüre ist allerdings kein mentaler Spaziergang, weder hinsichtlich der präsentierten Werke noch der abgedruckten Aufsätze. Die phasenweise sehr speziellen Texte etwa von Richard Shiff und Sean Rainbird haben vielleicht durch die Übersetzung an Zugänglichkeit verloren; leider fehlt ab und an auch die Abbildung eines Werkes, auf das Bezug genommen wird. Doch gelingt es z.B. Shiff, den Erfolg deutscher Nachkriegskünstler in Amerika in eine plausible Formel zu fassen: "Sie hatten eine sehr amerikanische Einstellung zur Kunst. Sie waren Skeptiker. Sie waren pragmatisch. Sie vermieden Verallgemeinerungen. Sie misstrauten überkommenen Traditionen und Maßstäben."

Von wem ist hier die Rede? Es sind Bernd und Hilla Becher, Joseph Beuys, Georg Baselitz, Andreas Gursky, Candida Höfer, Jörg Immendorff, Anselm Kiefer, Markus Lüpertz, A.R. Penck, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Thomas Ruff und Thomas Struth. Seinen Schwerpunkt hat der Bildband also auf den im Jahr 1945 oder früher geborenen und lägst etablierten Künstlerinnen und Künstlern.

Sehr überzeugend ist das Konzept, jedem der gezeigten Kunstwerke einen interpretatorischen Kurztext zur Seite zu stellen. Dieser erklärt jeweils natürlich nicht alles, hilft aber immer, Werk und Künstler einzuordnen. Drei Interviews mit deutschen Galeristen und ein ausführlicher Anhang u.a. mit Kurzbiografien der Künstler runden den Band ab.
Insgesamt bietet „German Art“ also einen guten Überblick über eine (westdeutsche) Ära, die das Fundament für das anhaltende Interesse an deutscher Kunst in Amerika bildet.

"Jeder Kritiker führt intellektuelle Abstraktionen ins Feld, um seine Position zu stärken und die anderen Diskursteilnehmer zu dominieren. Und je mehr die Debatten eskalieren, desto reduktionistischer werden die Abstraktionen. Um sich von solchen abstrakten Ideen frei zu machen, muss man sich, sei es als Produzent oder als Rezipient, in die individuelle Erfahrung von Kunstwerken vertiefen können." (Richard Shiff)

Olaf Selg

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Andrea Firmenich / Cornelia Homburg (Hg.): German Art. Deutsche Kunst aus amerikanischer Sicht.
DuMont, 2004, Geb. 224 S. mit ca. 80 farb. Abb. 39,90 ¤.
ISBN 3-8321-74956-8

Abbildung: Jörg Immendorff: Café Deutschland, die Freude am Malen. 1978.

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