TITEL kulturmagazin
Montag, 27. Februar 2017 | 19:08

 

DDR Design 1949-1989

14.10.2004

 
Wiedersehen mit Zonen-GaPi

Der Fotoband über Formgestaltung in den Zeiten des real existierenden Sozialismus bietet zwar reichlich Abbildungen, aber leider wenig weitergehende Informationen.


 


Nostalgie oder Neugierde: wer in diesem farbigen Fotoband blättert, wird immer etwas finden, woran das Auge hängen bleibt. Wehmütiges Wiedererkennen oder vornehmlich Verwunderung: je nach Lebensmittelpunkt wird das Gefühl, wird die Wahrnehmung beim Anblick der Dinge schwanken. Formgestaltung oder Design: das Ostwort “Formgestaltung“ ist zwar kein Unwort, gibt aber an sich schon im Kontrast zur Vokabel „Design“ preis, worin der große Unterschied liegt. Man ahnt wenig Mut zur Innovation und wittert eine Staubschicht.

Die Übersicht über die Dinge des DDR-Alltags von Auto bis Zigarette, die der Fotograf Ernst Hedler in Szene gesetzt hat, erscheint ausreichend für einen bleibenden Eindruck von dieser vergangenen Epoche, die Zuordnung in Kapitel wie „Nahrungsmittel, Genussmittel“, „Haushaltswaren“ oder „Reinigungsmittel, Hygienebedarf“ ist nicht zwingend, aber vertretbar.

Nicht vertretbar ist aber die unterlassene Datierung der einzelnen Produkte. Dieses Manko sollte man in einer Folgeauflage unbedingt beheben. Ebenso unbefriedigend ist die textliche Begleitung. Die dürre Einleitung von Ralf Ulrich und die kurze das Buch abschließende tabellarische Übersicht über die DDR-Formgestaltung lassen zu viele Fragen offen. Es gibt keine Informationen etwa zu Schrifttypen, grafischen Elementen oder Figuren, zu vergleichbaren (Konsum-)Artikeln in anderen osteuropäischen Ländern oder gar zu Partei- und Machtinsignien etc.. Auch eine ausführliche Darstellung der Wechselwirkungen von Politik und Formgestaltung unter Berücksichtigung der involvierten Gestalter wie dem Niederländer Mart Stam oder der beteiligten künstlerischen Institute in Weimar, Dessau, Berlin oder Dresden unterbleibt. Gerade in der Tabelle werden viele Namen, Orte und Ereignisse genannt, über die man gerne mehr wüsste; Quellen gäbe es demzufolge wohl genügend.

So bleibt der Eindruck eines Sammelsuriums, das man zwar gerne durchblättert und sich dabei über Formen, Bezeichnungen und Abkürzungen wie „Zelle für Beleuchtung“ statt Batterie oder „GaPi“ für eine Gaspistole zum Anzünden von Öfen amüsiert, das aber nicht jene Bereicherung bringt, die man sich erhofft hat.

Olaf Selg



DDR Design 1949-1989
Fotobuch. dt./engl./fr.
Taschen, 2004,
Broschiert, 128 Seiten, 6,99 ¤.
ISBN: 3-8228-3216-2

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