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Montag, 27. Februar 2017 | 19:09

 

R. Schiebler: Dalí - Die Wirklichkeit der Träume

10.05.2004

 

Die Morphologie des Blumenkohls...


Ralf Schiebler konzentriert sich in dem Bildband Dalí – Die Wirklichkeit der Träume, der anlässlich des 100. Geburtstages (11.5.) von Salvador Dalí bei Prestel neu aufgelegt wird, auf Bilder zum Thema "Begierde" in vielen Facetten.


 

Ein schräger Vogel malt schräge Bilder – zu diesem einfachen Ergebnis könnte man kommen, wenn man sich alleine darauf konzentrieren würde, wie Salvador Dalí (11.5.1904 – 23.1.1989) sich in der Öffentlichkeit präsentierte. Ob man nun seine Werke heranzieht, die fotografischen Bildnisse oder etwa filmische Zeugnisse: es begegnet uns ein Exzentriker mit einem nicht eben kleinen Schalk im Nacken. Wie Schiebler feststellt, war dies schon von Kindesbeinen an so.

Schiebler versteht es, die oberflächlichen Eindrücke, bei denen es viele Rezipienten bezüglich Leben und Werk Dalís belassen, mit Informationen zu unterfüttern, sowie die Komplexität von Dalís Ideen und zugleich seinen Witz so darzustellen, dass der Band einen guten Auftakt bildet, um sich weiter mit Dalí zu beschäftigen. Schiebler sieht Dalí beispielsweise als einen frühen "erstklassigen Webestrategen", der sich bewusst extravagant inszenierte, um Gesprächsthema zu bleiben. An ausgewählten Beispielen zeigt Schiebler, wie Dalís künstlerische Provokationen funktionierten und wie er sich vom Kubismus ab 1927 zum Surrealismus bewegte.

 


































An den Überschriften zweier zentraler Kapitel, "Das Lustprinzip" und "Der Todestrieb", ist abzulesen, dass bei Schiebler die Rolle der Psychoanalyse im Werk Dalís deutlich wird – in ihrer Ambivalenz allerdings von Schiebler wohl eher ungewollt: Einerseits war die Psychoanalyse als Phänomen gerade in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark präsent und ist damit für die Sicht auf und das Verständnis von Dalís Werk unverzichtbar, zumal dieser sich selbst, wie Schiebler darstellt, laienhaft in psychoanalytischen Überlegungen verfing.

Andererseits sind jedoch aus heutiger Sicht die fragwürdige Ödipus-Theorie und der letztendlich beliebige Traumdeutungs-Hokuspokus generell für die Interpretation von Bildern antiquiert und haben sich als 'Theorien' als mehr als zweifelhaft erwiesen (letztendlich stand Freud der fiktionalen Literatur in seinem Erfindungsreichtum oftmals näher als einer psychiatrischen oder psychologischen Wissenschaft), so dass die aktuellen Interpretationen von Dalís Werk sich noch stärker als bei Schiebler von diesen Pseudo-Theorien ablösen und durch neuere Erkenntnisse ersetzt werden könnten. Nichtsdestoweniger interpretiert Schiebler zumeist vorsichtig, ergeht sich nicht in Behauptungen, sondern benutzt den Konjunktiv, wo es angebracht erscheint.

Optisch ist der Band im Format 18,5 x 27 cm zwar nicht sehr groß, aber ansprechend gestaltet. Neben den kompletten Abbildungen einzelner Werke stehen Detailvergrößerungen, die es dem Leser leicht machen, den Ausführungen Schieblers über die sinnliche Kunst Salvador Dalís zu folgen; in der Vielzahl von Publikationen zu seinem 100 Geburtstag ist der Bild- und Textband ein im Preis-Leistungsverhältnis stimmiges Produkt.

Olaf Selg


Ralf Schiebler: Dalí – Die Wirklichkeit der Träume
Prestel. 2004. Flexoeinband. 128 Seiten mit 62 Farbtafeln und 28 sw-Abbildungen. ¤ 14,95. ISBN 3-7913-3129-9.
Das Buch erschein schon einmal 1996 unter dem Titel "Dalís Begierden" (Pegasus Bibliothek)

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