TITEL kulturmagazin
Montag, 27. Februar 2017 | 19:05

 

Christoph Brockhaus (Hg.): Ansgar Nierhoff

12.04.2004

 

Ansgar Nierhoff - …der Liebe.

Dialog und Dualismus.


Das im Rahmen einer Ausstellung in der Stiftung Wilhelm Lehmbruck (Duisburg) entstandene Katalogbuch umfasst plastische Werke und einige Zeichnungen von 1969 bis 2003.

 

Was ist Liebe? Keiner kann sie definieren, obwohl doch so ziemlich jeder meint, sich mit ihr irgendwie auszukennen. Der Dialog der Verständigung – oder Auseinander-Setzung – scheint zur Liebe ebenso zu gehören wie der Dualismus zweier Liebender in Anziehung und Abstoßung, in ihrer Zugehörigkeit und in ihrem Nicht-gänzlich-Zueinanderkommen. Wenn eine allgemeine ‚Aussage’ gelingt, dann zumeist in Form von Metaphern und Symbolen in der Welt der (bildhaft) erzählenden oder abbildenden Kunst. Denn im Kunstwerk findet sich am ehesten das für viele Wiedererkennbare ebenso wie der Spielraum zur Interpretation, der zugleich Freiraum für die Nuancen der eigenen Sichtweise „..der Liebe“ bietet. Vergleicht man dieses Bruchstück aus dem Titel des vorliegenden Kataloges über den Künstler Ansgar Nierhoff (geb. 1941 in Meschede) mit seinen abgebildeten Werken aus Stahl, wird man beides vielleicht auf den ersten Blick nicht überein bringen: das vermeintlich Zarte des Gefühls und die Härte der Materialien. Aber genau hier geht eben beides zusammen: in den Ausdrucksformen für das „Phänomen Liebe“ kann sich der Gegensatz vereinen.

Nierhoff schafft häufig architektonisch anmutende Monumentalplastiken, die durch Verwitterung und Lebensspuren nur lebendiger werden, an Kontur gewinnen können, die eigentlich für den offenen Raum geschaffen werden, was gerade an den Außenaufnahmen der in der ruhenden Kraft zweier Metallkugeln nachgebildeten Paarsituation der Liebe deutlich wird. Je nachdem, wo der Betrachter steht, je nachdem, wie das Licht fällt, variiert der Eindruck, variieren alle der eigentlich auf den ersten Blick komplett unvariabel und unveränderlich erscheinenden Kunstwerke voller Schwer-Kraft.



























Da bei Nierhoff Körper zu einer formalen Abstraktion gelangen, mag man an der Schlüssigkeit einer möglichen Botschaft der Werke über die unmittelbare Anschauung hinaus Zweifel haben. Dann aber sollte man die Texte von Christoph Brockhaus, Gottlieb Leinz und Jürgen Pech lesen, die unter den Überschriften „Verhältnis und Verständigung“, „Die Streckungen“ und „...der Liebe“ Werkzusammenhänge und -entwicklungen erläutern. Sie schaffen auch auf den ersten Blick nicht unbedingt erkennbare Verbindungen zu Leitfiguren wie Alberto Giacometti und Wilhelm Lehmbruck.
Der Katalog kann natürlich die unmittelbare Begegnung mit den Werken, die insbesondere von ihrer raumgreifenden Präsenz leben, nicht ersetzen. Wohl aber wecken die Texte und Fotos die Lust an der unmittelbaren Begegnung mit der dialogischen „Wechselwirkung zwischen Raum und Werk als Ganzes“ (J. Pech), wobei die Illustrationen des vorliegenden Bandes das Maximum des bildnerisch Vermittelbaren hier mit Sicherheit erreichen: Der Fotograf Werner Hannappel liefert mit seinen zumeist schwarz-weißen, großformatigen Fotos der gesamten Ausstellung das gelungene Abbildungsmaterial zum Nachdenken über Ansgar Nierhoffs Perspektiven nicht nur „...der Liebe“.

Von Olaf Selg


Christoph Brockhaus (Hg.): Ansgar Nierhoff - …der Liebe. Dialog und Dualismus.
Mit Beiträgen von Christoph Brockhaus, Gottlieb Leinz und Jürgen Pech sowie Fotografien von Werner Hannappel. 64 Seiten mit 6 farbigen und 58 Duoton-Abbildungen. Geb. Wienand 2003, 25,00 ¤. ISBN 3-87909-830-1

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