Wir brauchen ihn! Oder etwa nicht?
Um einen Blockbuster zu erschaffen, gehen – wie schon gesagt – mehrere Aspekte ineinander. Zuallererst müssen die auszustellenden Kunstobjekte die nötige Qualität haben, entweder zur Riege der großen Alten Meister gehören oder eben Hauptvertreter der (klassischen) Moderne sein. Mit einer Schau über die Druckgraphik des Informel zum Beispiel, möge sie auch noch so gut gemacht sein, lockt man kein Massenpublikum. Ebenso wichtig ist das richtige Marketing, das in der Lage sein muss, den Wert der Schau über die sonst üblichen Kanäle hinaus in der öffentlichen Wahrnehmung zu verankern. Damit eng verbunden sind die Medien, der dritte Erfolgsfaktor. Sie müssen angesprochen und aktiviert werden. Ihr Zutun ist unerlässlich für die Kreation eines Hypes. Hat der Besucher den Weg ins Museum gefunden, darf er schließlich nicht allein gelassen werden. Hier ist die Kunstvermittlung gefragt, die den Besuch zu einem Erlebnis werden lassen muss. Denn auch die Mund-zu-Mund Propaganda ist ein wichtiger Baustein des Erfolgs.
Man könnte nun den Eindruck gewinnen, dass bei Erfüllung der oben genannten Bedingungen der Erfolg garantiert wäre. Dem ist jedoch leider nicht so. Denn nicht jedes Museum kann sich einen Blockbuster leisten. Maßgeblich dafür ist mal wieder das liebe Geld. Und dieses Risiko nennt Lüddemann, neben potentieller Gefahren für die Kunstwerke durch Transport und Aufstellung in vollen Räumen, auch beim Namen. Die Geldgeber, Kulturpolitiker und Sponsoren könnten den Eindruck gewinnen, Erfolg nur an Besucherzahlen zu messen, im Umkehrschluss nur erfolgversprechende Schauen fördern und damit das Grundgerüst der Ausstellungstätigkeit, aus dem die Blockbuster als Glanzlichter herausstechen, ins Wanken bringen.
Was ist nun das Fazit aus der Lektüre von Lüddemanns Arbeit? In der Debatte geht es nicht um die Qualität der Ausstellungen, denn diese ist durchweg hoch. Auch nicht ihre Funktion als Besuchermagnet ist kritikwürdig. Es ist nämlich nichts Schlimmes daran, wenn mehr Personen als üblich ein Museum besuchen. Museen dürfen sehr wohl erfolgreich sein! Sie verdeutlicht, dass die unterschiedlichen Ansprüche, auf der einen Seite die der Connaisseurs, auf der anderen die der Kunstkonsumenten, nicht vereinbar sind – und sein werden.
Deshalb versucht Lüddemann mit seinem kleinen Büchlein, laut Rückentext übrigens die erste tiefergehende Analyse des Phänomens, um Akzeptanz zu werben. Und deshalb ist dieser Blick hinter die Fassade von Blockbustern (nicht nur) jedem überzeugten Kritiker ans Herz zu legen.