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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 28. April 2017 | 19:56

    Himmel und Erde in Schwarzweiß: Meisterwerke der Druckgraphik

    12.01.2012

    Kleine Andachtsbilder, große Wirkung: Meisterwerke des frühneuzeitlichen Drucks

    Was machen TITEL-Rezensenten, wenn sie sich in der Offline-Welt bewegen? Die Möglichkeit, die Autoren Sebastian Karnatz, Nico Kirchberger und Mathias Listl als Kunsthistoriker kennenzulernen und gleichzeitig eine profunde Einführung in die frühneuzeitliche Druckgraphik zu genießen, bietet der eben erschienene Ausstellungskatalog Himmel und Erde in Schwarzweiß. Von STEPHANIE RAPPL

     

    Der Volkskundler Adolf Spamer hat 1930 den im Titel erwähnten Begriff Das kleine Andachtsbild geprägt, der lange für den Verwendungszweck religiöser altdeutscher Druckgraphik stand – der aber deutlich zu kurz greift, wie die Ausstellung Himmel und Erde in Schwarzweiß: Meisterwerke der Druckgraphik von Dürer bis Schongauer aus der Sammlung Dachs im Historischen Museum der Stadt Regensburg und der dazugehörige Katalog beweisen. Präsentiert werden einige Highlights aus der rund 3.500 Blätter umfassenden Sammlung des 2011 verstorbenen Physikers Hans Dachs, die er seiner Heimatstadt Regensburg schenkte. Neben Arbeiten der Dürer-Werkstatt, Martin Schongauers, Lukas Cranachs und Hans Holbeins umfasst die Sammlung auch Werke von Hans Schäufelein, Hans Baldung Grien und Sebald Beham – ein regelrechtes Who-is-Who der deutschen Kunstlandschaft des späten 15. und frühen 16. Jahrhunderts.

     

    Martin Schongauer: Ecce homo, um 1475 Martin Schongauer: Ecce homo, um 1475

    Passionsfrömmigkeit und Heiligenverehrung

    Statt nach Œuvre oder Entstehungszeit wurden sowohl Ausstellung als auch Katalog nach thematischen Gesichtspunkten organisiert; auf diese Weise entsteht ein spannungsreicher Kontrast zwischen den Techniken Holzschnitt und Kupferstich einerseits und den unterschiedlichen Bearbeitungen einzelner Themen andererseits. Christus-, Marien- und Heiligenleben bilden neben den Topoi Vervielfältigtes Gedächtnis und Profanes die Schwerpunkte der Ausstellung, über die der Katalog anhand von profunden Einführungen in die jeweilige Ikonographie und in die Themen mit ihrem ›Sitz im Leben‹ informiert.

     

    So wird etwa Holzschnitten der Dürer-Werkstatt aus der Großen und der Kleinen Passion mit ihrem rigiden Naturalismus und den figurenreichen Kompositionen, die mitunter eine beinah klaustrophobische Wirkung entfalten, Schongauers Ecce homo-Kupferstich (ca. 1475) gegenübergestellt, in dem der Schöne Stil des ausgehenden Mittelalters noch deutlich spürbar ist. Innerhalb der Reihe von Heiligenleben nimmt Schongauers Stich Der hl. Antonius von Dämonen gepeinigt aus den 1470er Jahren (zugleich Titelbild des Katalogs) unumstritten die prominenteste Stellung ein: als einer der berühmtesten Einblattdrucke überhaupt steht er unter dem deutlichen Einfluss altniederländischer Malerei und antizipiert bereits die Formensprache etwa eines Hieronymus Bosch.

     

    Kunst als Propaganda: Kaiser Maximilian I.

    Neben Bekanntem gibt es jedoch auch beinah Vergessenes wiederzuentdecken: Albert Dietl – Professor für Kunstgeschichte in Regensburg und ein ausgewiesener Kenner der Kunst zur Zeit Maximilians I. (1459-1519) – stellt unter anderem Albrecht Dürers Großen Triumphwagen Kaiser Maximilians (1518-1522) vor, ein Projekt, das geradezu paradigmatisch für die Kunstpolitik des Habsburgers steht. Wie kein anderer Herrscher hat Maximilian das neue Medium zu propagandistischen Zwecken genutzt: Auf vier Doppelblättern, die ursprünglich das Kernstück des 57 m langen Triumphzug Kaiser Maximilians darstellen sollte, erscheint der Kaiser mit den Reichsinsignien inmitten zahlreicher Allegorien klassischer Herrschertugenden, während die Ratio den Wagen mit seinen zwölf Zugpferden lenkt. Zusammen mit anderen Großprojekten wie etwa den Drucken des Theuerdank oder der Ehrenpforte mit ihren zahlreichen Illustrationen (beide 1517 in Augsburg verlegt) diente das antike Thema des Triumphzugs somit zur »Kompensation für mangelnde[r] militärische[r] Triumphe in der Realpolitik Maximilians«.

     

    Albrecht Dürer: Der Große Triumphwagen Kaiser Maximilians (Blatt a und b), 1518-1522 Albrecht Dürer: Der Große Triumphwagen Kaiser Maximilians (Blatt a und b), 1518-1522

    Trotz der Größenangaben zu den einzelnen Drucken im Katalog versetzt ihre miniaturhafte Größe im Original, die sich in der Ausstellung überprüfen lässt, immer wieder in Erstaunen – schon hierfür lohnt sich der Besuch der sehr farbenfroh konzipierten Ausstellung zusätzlich zur Lektüre des Katalogs mit seinen 51 ganzseitigen Abbildungen.

    Letzterer wurde in Sachen Layout den Zwängen des Corporate Design der Stadt Regensburg unterworfen, die als Trägerin des Historischen Museums zugleich als Herausgeber fungiert: Der Weißgrund wirkt sich auf die Wirkung der Graphiken recht unvorteilhaft aus; zudem führt die für Kataloge sonst ungewöhnliche Verwendung der Schriftart Arial dazu, dass vor allem bei den Beschreibungen der einzelnen Katalognummern der Schriftspiegel teilweise unangenehm gedrängt wirkt. Die zunächst unscheinbar wirkende Publikation entfaltet ihre  Qualität bezüglich ihrer Abbildungen dementsprechend (leider) erst auf den zweiten Blick. Die Begleittexte hingegen vermögen schon auf den ersten Blick zu begeistern.

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