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    Freitag, 23. Juni 2017 | 21:04

    Angela Steidele: Geschichte einer Liebe: Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens

    09.09.2011

    Von wegen bieder!
    Frauenliebe im 19. Jahrhundert

    Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens-Schaaffhausen leiden – wie so viele Frauen, die sich im 18. und 19. Jahrhundert als Wissenschaftlerinnen, Salonières oder Schriftstellerin einen Namen gemacht haben – auch heute noch unter wissenschaftlicher Vernachlässigung und finden auch im populären Diskurs kaum statt. Angela Steidele hat mit der Geschichte einer Liebe beiden Frauen ein Buch gewidmet, eine fundierte Untersuchung sowohl ihrer  Lebensläufe als auch ihrer gewählten Lebensform: der lesbischen Liebe. Von SVENJA HOCH

     

    Auch wenn Schopenhauer und Mertens ihrer Beziehung weder als homosexuell oder lesbisch bezeichnet hätten – diese Begriffe waren schlichtweg noch nicht erfunden – so wussten sie, dass es besser war, ihre Neigung tunlichst im Stillen, Verborgenen auszuleben. Frauen, zumal aus »besseren« Häusern taten gut daran, sich in Handarbeiten, dem artigen Klavierspiel und der geselligen Konversation zu üben und vor allem: dem Ehemann zu gehorchen, ihn idealiter zu bewundern.

     

    Bei Sibylle Mertens-Schaaffhausen ist davon wenig zu spüren, das attraktive Multitalent kann sich mit der Vernunftehe mit dem engstirnigen Bankier Joseph Ludwig Mertens nur schwer arrangieren. Erst nach dessen Tod kann sich Sibylle auch in Liebesdingen wirklich frei bewegen und sich, literarisch chiffriert aber auch offen in Form einer gemeinsamen Wohnung, zu Adele bekennen. 

     

    Von Biedermeier und ergebener Züchtigkeit ist im Leben der Sybille Mertens-Schaaffhausen also wenig zu spüren: Als geachtete Archäologin, Kunstsammlerin und Mäzenin erlaubte sie sich ausschweifende Reisen nach Italien und erlebte nicht nur mit Adele Schopenhauer eine körperliche Beziehung. Auch mit Anette von Droste-Hülshoff verband sie zeitweilig eine sehr enge Freundschaft und den Tod der italienischen Geliebten Laurina Spinola verarbeitete sie literarisch in einem Tagebuch. 

     

    Grenzen überwinden

    Dieser Lebenswandel, der gegen Konvention und Unterordnung rebellierte, hatte Folgen für beide Frauen: Adele Schopenhauer galt als unattraktiv und unfähig, je einen Mann für sich einzunehmen, die Kinder und vor allem die Schwiegersöhne der Sibylle Mertens-Schaaffhausen reagierten auf die vermeintlich unzüchtige Lebensweise der (Schwieger-) Mutter mit Missbilligung, brachten sie um ihr Erbe und verkauften die umfassende Kunst- und Antikensammlung der »Rheingräfin« ohne Sinn und Verstand.

     

    Adele Schopenhauer, die vielfach als hässlich gehandelte Schwester des berühmten Philosophen, wandelt sich unter der Feder Steideles zur empathischen Literaturagentin mit einem feinen Gespür für Ästhetik und Talent; nichts bleibt vom Bild der verbitterten alten Jungfer übrig. Früh ist sie sich ihrer Zuneigung zu Frauen bewusst und verliebt sich in Goethes Schwiegertochter Ottilie. Als sie auf Sibylle trifft, ist sie bereits eine bekannte Meisterin des Scherenschnittes und begeisterte Literaturkennerin – der Einfluss der gelehrten Gesellschaften ihrer Mutter, der Autorin Johanna Schopenhauer ist unverkennbar.

     

    Besser als die Klatschpresse

    Angela Steidele knüpft aus Zitaten und ihren eigenen Anmerkungen einen homogenen Text, der sich weniger wie eine wissenschaftliche Untersuchung und mehr wie die spannende Biografie zweier außergewöhnlicher Frauen liest: Sehnsucht und Liebe zwischen den Frauen faszinieren, aber auch Spannungen, Betrug und die gesellschaftlichen Schattenseiten der Verbindung werden nicht ausgespart.

     

    Wie im Vorbeigehen entwirft Steidele die historischen Rahmenbedingungen bürgerlichen Frauenlebens im 19. Jahrhundert und bietet einen anregenden Lesegenuss, der das biedere Bild einer Epoche nachhaltig zu korrigieren vermag. Angereichert ist das Buch mit zahlreichen Abbildungen, die Steideles roten Erzählfaden untermauern.

     

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