Franz Overbeck (1837–1905) war Kirchenhistoriker und Professor für evangelische Theologie. 1870 wurde er als Professor an die Universität Basel berufen. Aufgrund seiner anti-theologischen Ansichten, die er in seinem 1873 veröffentlichten Buch Über die Christlichkeit unserer heutigen Theologie vertreten hat, verbaute er sich allerdings jegliche Chancen einer »anständigen« Professorenkarriere und hat, bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1897, über Jahrzehnte hinweg die gleiche Einführungsveranstaltung gehalten.
Auch wenn das wissenschaftliche Interesse an Overbecks Schriften nach seinem Tod, besonders in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts, schließlich gewachsen ist – bekannt ist der Theologe heute vor allem als der beste Freund Friedrich Nietzsches.
Die Freundschaft zwischen den beiden, die fünf Jahre lang in demselben Haus in Basel wohnten, überdauerte auch den geistigen Zusammenbruch Nietzsches im Jahre 1888. Anders als Richard Wagner, Paul Ree oder Erwin Rohde blieb Overbeck ein Zerwürfnis mit Nietzsche erspart. Als nach Nietzsches Tod die von seiner Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche initiierte Verklärung und Verfälschung seines Nachlasses für das von ihr gegründete Nietzsche-Archiv losgetreten wurde, verstand Overbeck sich als notwendigen Gegenpol. Denn die »emblematischen Tiere«, die der Existenz seines verstorbenen Freundes wahrhaftig entsprochen hätten, seien, so notiert Overbeck einmal, eben diejenigen seines Zarathustra gewesen: Adler, Löwe und Schlange. Die Tragik seines Nachlebens aber bestehe darin, dass er einem zwitschernden Spatz ausgeliefert sei.