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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 27. Juni 2017 | 15:48

     

    Taj Mahal. Autobiografie einer Blueslegende.

    25.03.2004

     

    Ein Palast mit vielen Räumen

    Dem Buch kann mal viele Leser wünschen. Schöner wäre nur noch, Taj Mahal bekäme mehr Zuhörer.



     

    Ein Bluesmusiker, der sich nach einem indischen Bauwerk nennt, hat mehr im Sinn als die tradierten Akkordfolgen des Mississippideltas. Er wird aufmerksam karibische und afrikanische Rhythmen studieren, weder vor der Folklore noch dem Pop der Weißen seine Ohren verschließen und Talente wie Bob Marley als einer der ersten erkennen und fördern. Willkommen bei Taj Mahal.

    Kennen Sie nicht? Dann ist es jetzt an der Zeit, ein paar derbe Flüche in Richtung der Schallplattenindustrie und des Schmalspurgeschmacks ihrer Abnehmer zu schicken. Denn wiewohl hier einer der originellsten, stilistisch interessantesten Musiker der USA seit Jahrzehnten seine Alben produziert, hat sich der kommerzielle Erfolg nie so richtig einstellen wollen. Zu atypisch für dieses Geschäft ist seine Prinzipientreue, zu wenig ausgeprägt sein Gespür, Trends zu vermarkten. Und so hat kein Zug, der fröhlich zum nächsten Bluesrevival dampfte, ihn je wirklich mitgenommen, kein Herold der Weltmusik für einen ihrer Urväter ins Horn geblasen.

    Die nun auch in Deutsch vorliegende Autobiografie Taj Mahals bietet nicht nur Einblicke in ein ungewöhnliches Leben, sie ist auch formal leicht abseits der Norm. Im Grunde besteht sie aus einem großen Erinnerungsmonolog Mahals, den Co-Autor Stephen Foehr geschickt geschnitten und mit Kommentaren von Verwandten, Freunden und Kollegen montiert hat. Das ist schon deshalb lesenswert, weil Tajs Erinnerungen das alte Klischee vom bauchgesteuerten, ungebildeten Blueser ad absurdum führen. Hier ist einer, der tief in die Materie eingedrungen ist, sie analysiert und, am wichtigsten, in faszinierende, fugenlose musikalische Bauwerke verwandelt hat.

    Gewiss kann ein solches Buch nicht „objektiv-kritisch“ genannt werden. Eine Lobhudelei ist es dennoch nicht geworden. Taj, der Ungeduldige, Taj, der Frauenfreund, dessen beachtliche Kinderschar nicht immer nur Gutes vom Erzeuger zu erzählen weiß – ein Mensch eben, der sich durch einige Jahrzehnte Musikgeschichte geschlagen hat, von den durchreisenden Bluessängern im elterlichen Hinterzimmer über die flirrende Hippieseligkeit der Sechziger bis zur Gelassenheit des Jetzt, in dem Taj vor zumeist überschaubarer Fangemeinde seine wahrlich grenzenlose Musik spielt. Was dabei an Details ausgeplaudert wird, ist vielleicht nicht immer essentiell für das Verständnis der Popmusik, wie sie sich seit den Sechzigern entwickelt hat. Langweilig ist es allerdings ebenso wenig, und manchmal sind es eben wirklich die Kleinigkeiten, die ein Bild abrunden.

    Dem Buch kann mal also viele Leser wünschen. Schöner wäre nur noch, Taj Mahal bekäme mehr Zuhörer.

    Dieter Paul Rudolph


    Taj Mahal mit Stephen Foehr: Taj Mahal. Autobiografie einer Blueslegende. Höfen (Hannibal) 2003, 299 Seiten, 25,90 ¤

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