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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 25. Juni 2017 | 12:35

    Carsten Görig / Kathrin Nord: Julian Assange

    04.03.2011

    Der Polarisierer

    Der Frontmann von Wikileaks polarisiert. Den einen gilt Julian Assange als Weltverbesserer, anderen als Verräter. Welche Rolle man ihm auch zuschreiben mag - mit seiner Whistleblower-Webseite hat er Geschichte geschrieben. Kathrin Nord und Carsten Görig skizzieren in Der Mann, der die Welt verändert seinen Werdegang. JÖRG FUCHS folgt ihnen von Australiens Ostküste bis in englische Gefangenschaft.

     

    Wer aufgrund des Titels eine Biographie erhofft hatte, wird – wenn nicht enttäuscht – dann doch zumindest überrascht sein. Denn das Buch geht über die bloße Betrachtung der Person Assanges weit hinaus: Wir erfahren nicht nur zahlreiche Details aus seiner Patchwork-Biografie, sondern lernen auch viel über Förderer und Gegner von Wikileaks sowie über das Zusammenleben und -arbeiten der daran Beteiligten. Zusätzlich tauchen die Autoren in die Geschichte des Whistleblowings ein, erläutern Computertechnik und -netzwerke und beleuchten das mitunter schwierige Verhältnis zwischen klassischen Medien und neuen, elektronischen Veröffentlichungsformen.

     

    Weltverbesserer oder Verräter?

    Erstaunlich viele dieser Exkurse unternehmen die Autoren auf den 176 Buchseiten. Die Frage, die im Klappentext aufgeworfen wird, ob Julian Assange nun Weltverbesserer oder Verräter sei, beantworten die Autoren im Grunde gar nicht. Das ist per se nicht tragisch, da die dargebotenen Informationen uns dazu veranlassen, ein eigenes Bild von Assange  zu zeichnen. Dabei berichtet das Autorenduo recht ausgewogen, aber auch distanziert – weitgehend unter Einbeziehung von Sekundärquellen. Interviews, O-Töne oder investigative Recherchen vermissen wir an dieser Stelle. Dennoch führt das dargebotene Material die zahlreichen widersprüchlichen Facetten des Julian Assange plastisch vor Augen. In seiner unsteten Kindheit und Jugend zieht seine Mutter mit ihm kreuz und quer durch sein Heimatland Australien. Er verbringt ein Vagabundendasein, das sein weiteres Leben bestimmen wird. Noch heute hat er keinen festen Wohnsitz; Sicherheit und Halt findet er nur in den globalen Netzwerken, in denen er sich scheinbar mit traumwandlerischer Sicherheit bewegt. Auch hinterläßt er wenig greifbare Spuren. Die gesamte Existenz Assanges ist von Verschleierungen und Widersprüchen gekennzeichnet: So wird seine Behauptung, er habe Wikileaks anonym betreiben wollen und sei nur auf Mediendruck ins Rampenlicht getreten, von vielen seiner ehemaligen Weggefährten heftig bestritten.

     

    Trotz des oft unklaren Aussagewerts von Assanges biografischen Erlebnissen verzichten Kathrin Nord und Carsten Görig weitgehend auf spekulative Darstellungen. Sie bewegen sich auf einer deskriptiven Ebene, was das Verständnis der Zusammenhänge erleichtert, was allerdings auch eine Distanz zwischen Lesern und Protagonisten schafft. Das Buch reißt nicht mit – es informiert.

     

    Information mit kleinen Mängeln

    Kaum ein Tag vergeht, ohne, dass uns die Medien mit Nachrichten über Julian Assange und seine Mission überhäufen. Wer sich in diesem Informationsstrudel zurechtfinden will, muss die Hintergründe kennen. Das Buch hilft, die Entwicklung von Wikileaks und den Werdegang von Julian Assange nachzuvollziehen und Zusammenhänge herzustellen. Allerdings schneiden die Autoren sehr viele Themen an, die dann sehr kurz abgehandelt werden, zum Beispiel die Verbindungen Assanges zur isländische Politik oder die Rolle der berühmt-berüchtigten Internet-Aktivisten »Anonymous«.

     

    Auf Prognosen oder Meinungsmache verzichten Nord und Görig. Dass sie das Thema neutral darstellen, vor allem an heiklen Stellen, wie dem Vergewaltigungsvorwurf gegen Assange, ist lobenswert. Das schlechte Lektorat hingegen nicht: Einige Fehler und viele sprachliche Schnitzer verleiden zwar nicht den Lesegenuss, trüben jedoch das Gesamtbild des ansonsten lesenswerten Buchs.

     

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