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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 30. April 2017 | 18:44

    Rolf Hosfeld: Karl Marx

    28.01.2011

    Menschen aller Länder - lest mich! Schon wieder!

    Rolf Hosfeld hat erneut eine Karl-Marx-Biographie verfasst und begibt sich damit auf schwieriges Terrain. Marx ist wohl einer der linken Lieblingsintellektuellen der Deutschen und wird nach wie vor sehr kontrovers aufgenommen. Entsprechend ausgiebig erfolgte die Rezeptionsgeschichte und entsprechend umfangreich fiel die Zahl der Veröffentlichungen zum Thema aus. Selbst Hosfeld hat bereits vor einem Jahr eine Marx-Biographie vorgelegt. Was also kann die nun erschienene Biographie? Von VIOLA STOCKER

     

    Der erste Eindruck fällt gespalten aus: ein reich bebildertes Taschenbuch von 140 Seiten soll Leben und Denken eines Mannes fassen, der bestimmt das 20-fache an Zeilen verfasst hat?

    Hosfelds Biographie macht es einem aber einfach, sich dem Phänomen Marx zu nähern, auch als Laie: prägnante Kapitelüberschriften, eine klare Zitatregelung, Marx selbst wird durchgehend kursiv zitiert, während Zeitgenossen sich über eine Blockplatzierung als rotes Randzitat freuen dürfen.

     

    Der Aufbau des Taschenbuches gleicht einer Wendeltreppe, die sich über eine steigende Spiralbewegung dem Höhepunkt des Marx'schen Denkens nähert: einer Kritik seines Kapitals, die sowohl bahnbrechende wirtschaftswissenschaftliche Errungenschaften von Marx würdigt als auch seine  zeitweise naive Halbherzigkeit hervorhebt. Ebenfalls gut gemacht ist die generelle Eingliederung der Biographie in das soziale Stimmungsbild der internationalen Intelligenzija des 19. Jahrhunderts, so dass ein realer Eindruck davon entsteht, wie Marx zu dem werden konnte, der er war. 

     

    Demokratiegefährdende Tendenzen nur am Rande

    Die Vorzüge des Buches beherbergen jedoch gleichzeitig seine Mängel: alles kommt letztlich zu kurz. Es fehlt ein umfassendes Psychogramm von Marx, und zwar unabhängig von schadenfrohem Voyeurismus. Seine tyrannenhafte Selbstherrlichkeit wird ebenso nur angerissen wie seine geniale Logik. Sein Privatleben wird vollständig ausgeklammert - als könnte irgendein Mensch als bloßes Politikum existieren. Die übrigen Schriften werden nur in ihrer Entstehungsgeschichte angerissen, man hätte sich hier wenigstens inhaltlich kritisch nähern können. Auf die lange und emotionalisierte Rezeptionsgeschichte wird am Schluss nur fragmentarisch eingegangen, obwohl Marx ein Theoretiker war, der seinen Haupteinfluss eigentlich erst posthum entfalten konnte. Entsprechend wird auch auf die in seinem Werk enthaltenen naiven und zum Teil hoch demokratiegefährdenden Tendenzen nur am Rande eingegangen.

     

    Obwohl all das flaue Gefühle zurücklassen muss, bleibt das Buch gut recherchiert und angenehm zu lesen. Einer kritischen wissenschaftlichen Analyse kann es jedoch wohl nur mit Mühe standhalten.


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