Marc Hendrickx: Elvis A. Presley. Die Musik, der Mensch, der Mythos
14.03.2004
Der König stirbt nie
Was der Belgier Marc Hendrickx mit "Elvis A. Presley. Die Musik, der Mensch, der Mythos" an Biografie vorlegt, ist ein Werk der Superlative. Schon das Format, das schiere Gewicht des Buches kündet von Endgültigem. Kein halbwegs wichtiges Ereignis wird ausgelassen, kein noch so herziges Bildchen fehlt, jeder noch so beiläufige Ton aus der Elviskehle findet seine Würdigung.
Ehrlich gesagt: Im Allgemeinen langweilen mich solche Detailhubereien selbst bei Künstlern, die mir näher stehen als Elvis. Und Bücher, bei denen schon die Tatsache, dass sie über fünf Kilo wiegen, dazu taugt, sie als "Bibel" auszuweisen, sind mir ein Gräuel. Ganz abgesehen von den laufenden Festmetern Elvisliteratur, die inzwischen in den Regalen hart gesottener Fans paradieren, ein jedes der Werke selbstredend "das ultimative".
Aber bei aller Gigantomanie steht hinter dem Werk von Marc Hendrickx ein sehr schlichter Anspruch: Er ist ein Chronist. Von 1935, dem Geburtsjahr des King, bis 2002, also kurz vor Drucklegung, spannt sich der Bogen einer wahrhaft einmaligen Story, zu der Hendrickx alles beiträgt, was ihm im Laufe einer langen Sammeltätigkeit in die Archivkästen geraten ist. Hendrickx analysiert nicht. Ihm geht es auch nicht um das Wiederkäuen all jener Gerüchte und Verschwörungstheorien, die sich um Elvis Leben und, vor allem, seinen Tod ranken. Hendrickx versucht redlich, sich seinem Gegenstand als "objektiver Journalist" zu nähern, Mythen zu entzaubern, Lügner bloßzustellen und Missverständnisse auszuräumen. Das ist ihm zumindest auf jener Ebene gelungen, auf der ein eher nüchterner Elvis-Bio-Leser wie ich sich einem solchen Werk nähert.
Schön; manchmal steht der Gigant aus Memphis reichlich isoliert in seiner Geschichte. Man wünscht sich dann schon einen Blick über den Zaun von Graceland, wo Dinge passierten, die durchaus dazu geeignet waren, Elvis Bedeutung für die Popmusik etwas genauer zu orten. Vielleicht ist aber schon dieser Anspruch ungerecht; Hendrickx großes Verdienst liegt tatsächlich darin, so ziemlich alles von und über Elvis in flüssigem Stil übersichtlich aufbereitet zu haben. Ohne Schnörkel, ohne Schmu. Ein Ultrafan, der seinen Elvis heiß liebt, aber wohltemperiert serviert.
Für Sammler ein Muss; für Interessierte an der Geschichte der Popmusik ein verlässliches Nachschlagewerk, für alle anderen ein Buch zum Schmökern und zum Gucken. Denn die (nicht selten noch nie veröffentlichten) Fotos erzählen meistens mehr als jede kluge Analyse.
Dieter Paul Rudolph
Marc Hendrickx: Elvis A. Presley. Die Musik, der Mensch, der Mythos. Höfen (Hannibal) 2003, 625 Seiten, 65 ¤. ISBN: 3854452268