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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 23. April 2017 | 07:25

     

    Patricia Clough: Hannelore Kohl

    21.02.2004



    Fast alles über Hannelore Kohl


    Wer diese gut geschriebene, niemals geschwätzige Darstellung ihrer Persönlichkeit und ihres Wirkens gelesen hat, empfindet Respekt für diese Frau, gleichgültig, welcher politischen Richtung man selbst anhängt.


     

    Nach dem Selbstmord von Hannelore Kohl am 5. Juli 2001 war es zu erwarten, dass schnellstmöglich eine Darstellung ihres Leben und ihres traurigen Endes folgen würde. So sehr hat dieser Tod die Deutschen bewegt, so präsent war diese Frau im Gedächtnis mehrerer Generationen. Die 16 Jahre Kanzlerschaft ihres Mannes sind nicht zu denken ohne ihre diskrete Präsenz an seiner Seite und in seinem Schatten, aus dem sie erst durch ihren spektakulären Freitod getreten ist. Und tatsächlich erschienen einige Monate nach ihrem Tod gleich zwei Bücher über sie, eines davon mit ausdrücklicher Missbilligung von Helmut Kohl, ein anderes wie man getrost annehmen darf mit seinem Segen, schließlich wurde es von seinem Sohn Peter mit Hilfe einer professionellen Schreiberin verfasst. Allein schon das ist ein Grund, der erstgenannten Darstellung der englischen Journalistin Patricia Clough den Vorzug zu geben, denn sie ist nicht gehemmt durch familiäre und politische Rücksichten. Zu der Redlichkeit ihres Schreibens gehört auch, dass sie nie so tut, als wüsste sie immer ganz genau, was um und vor allem in Hannelore Kohl vorgegangen ist. Dennoch weiß sie sehr viel über sie, auch aus ihrem privaten Umfeld, ohne dass man je das Gefühl hat, hier würde man durch das Schlüsselloch auf ein fremdes Leben schauen.

    Die ehemalige Korrespondentin der "Times" und des "Independent", die bereits eine respektable Helmut Kohl-Biografie geschrieben hat, bleibt durchgehend fair zu Hannelore Kohl und auch zu ihrem Mann, dem sie allerdings ein paar ernste Worte über sein gespanntes Verhältnis zu den Medien und seinen grenzenlosen Willen zur Macht ins Stammbuch schreibt. Sie schildert den Lebensweg von Hannelore Kohl, der sie von ihrer Geburtsstadt Leipzig über Berlin, wo sie hautnah den Bombenkrieg erlebte, in das pfälzische Ludwigshafen und an die Seite des mächtigsten Mannes der Republik führte. Sie versucht verständlich zu machen, warum sie, die ihrem Mann in mancher Hinsicht überlegen war, sich mit der Rolle der Politikergattin, der Hausfrau und Mutter begnügte.

    Clough würdigt ausführlich Hannelore Kohls Wirken für das Kuratorium ZNS, das sich mit der Behandlung Hirngeschädigter befasst, und macht dabei deutlich, dass sie als Schirmherrin eine ganze Menge für die schwer traumatisierten Opfer bewegt hat. Über die Lichtallergie, die Hannelore Kohl in den Tod trieb, berichtet Clough einfühlsam und ohne Effekthascherei. Dass das Fortschreiten dieser Krankheit einherging mit der Verdunkelung der Lichtgestalt Helmut Kohl durch die Spendenaffäre gehört zur Tragik dieses Lebens.

    Wer diese gut geschriebene, niemals geschwätzige Darstellung ihrer Persönlichkeit und ihres Wirkens gelesen hat, empfindet Respekt für diese Frau, gleichgültig, welcher politischen Richtung man selbst anhängt. "Hannelore Kohl - Zwei Leben" ist von den beiden Büchern zum Thema mit Abstand das bessere.

    Von Peter Kohl (nicht verwandt mit der Familie des Ex-Kanzlers; Anm. der Red.)


    Patricia Clough: Hannelore Kohl - Zwei Leben.
    Aus dem Englischen von Peter Torberg.
    Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart 2002
    Gebunden mit Schutzumschlag. 224 Seiten (mit Abbildungen). 19,90 Euro.
    ISBN 3-421-05615-3.

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