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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 17. August 2017 | 03:38

     

    John Huston: ... mehr als ein Leben.

    15.08.2007

     
    Beat the Devil

    Er besitzt die gleißende Farbigkeit eines Renaissance-Prinzen und die Kaltblütigkeit eines adligen Schurken.” (Orson Welles)


     

    John Huston, der von sich sagt, dass sein Leben aus willkürlichen, einander nur berührenden, ungleichen Episoden zusammen gesetzt war, beneidete die Menschen, die nur “ein” Leben leben, einen Beruf ausüben, eine Frau haben und an einen Gott glauben. Vielleicht ein wenig spöttisch, vielleicht auch mit aufrichtigem Bedauern, sieht man doch in der Rückschau besser die Möglichkeiten, die man auch bzw. nicht hätte ergreifen können. Doch es scheint, Huston habe nicht viele von den Chancen ausgelassen, die ihm Zeit seines Lebens begegneten.

    Atemlos folgt man den chronologisch berichteten Ereignissen eines leidenschaftlich intensiven Lebens. Bei dem Autoren ihre Schwierigkeiten hätten, sich für einen Film über John Huston auf die wesentlichen Teile zu konzentrieren. Geboren 1906war er Boxer, Maler, Reporter, Schriftsteller, Schauspieler und Theaterregisseurbevor er begann Filme zu realisieren.

    Dem Film nähert er sich noch zu den Zeiten der großen Studiosysteme als Drehbuchschreiber. Von Warner bekommt er seine erste Regie Chance: “Der Malteser Falke”. Das Film-Noir Remake mit Humphry Bogart wird ein Erfolg. Huston bleibt bei der Regie und realisiert 41 Filme, darunter die Oscarbepreisten “African Queen” und “Der Schatz der Sierra Madre”. Den Oscar für “Die Ehre der Prizzis” bekommt er nicht, aber immerhin bleibt er in der Familie. Er geht an seine Tochter Anjelica Huston. Bekannt wurde Huston aber auch für seine Literaturadaptionen “The Misfits” (A. Miller) oder “Moby Dick” (H.Melville) und Bio-Pics wie “Freud” oder “Moulin Rouge”, der Verfilmung des Lebens von Toulouse-Lautrec. Er selbst schrieb Filmgeschichte, doch Huston berichtet unprätentiös und voller trockenem Humor über seine Arbeitsbedingungen beim Film, die zahlreichen Erfahrungen beim Dreh als Autor, Regisseur oder Schauspieler. Begabt mit einem Gespür für visuelle Kraft, weiß er wie wichtig es ist, dem eigenen Urteil zu vertrauen, denn “Jedesmal, wenn eine Szene gelingt, ist es ein Wunder. Meistens ist irgendetwas verkehrt, wenn auch nur leicht. (...) Man muss sich dessen bewußt sein und kein Fanatiker werden.”

    Immer aufgeschlossen für mitunter derbe Scherze bei den Dreharbeiten, war er jedoch ein äußerst loyaler Kollege. Er führte das Engagement des Hollywood Kommittees gegen die Kommunisten-Hetze der Mc Carthy-Ära in den 50er Jahren an.


    Eklezistisch ist ein Wort, das man nicht nur im filmischen Bereich für ihn hätte erfinden müssen. Privat war Huston begeisterter Großwildjäger, Fischer, Soldat, Pferdezüchter, fünf mal verheiratet und lebte auf Ranches in Kalifornien, einem Schloß in Irland und zuletzt in einem schwer zugänglichen Dorf in Mexiko. Der Titel seines Films “Beat the Devil” könnte sein Lebensmotto gewesen sein. Seiner Vorliebe für ebenso harte Sportarten wie Drinks und risikoreiche Abenteuer verdankt er auch das Attribut “Hemingwayesk”, wogegen sich Tochter Anjelica streng verwehrt, ihr Vater sei stets unvergleichlich er selbst gewesen, eben “Hustonesk”. Das muss man nach der Lektüre bestätigen, wenn “Hustonesk” auch “mehr als ein Leben leben” heißt.

    Maggie Thieme


    John Huston: ... mehr als ein Leben.
    Die Autobiographie.
    Aus dem Englischen von Karsten Prüßmann,
    Schüren, 2007,
    425 Seiten, 24,90 EUR,
    ISBN: 987-3-89472-4

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