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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 20. August 2017 | 05:46

     

    Frank Stefanko: Patti Smith - American Artist

    22.03.2007

    Am Hofe der Underground-Königin

    Stille Momentaufnahmen, wüste Bühnenpräsenz, Porträts, die unter die Oberfläche blicken und unter die Haut gehen – das Image von Patti Smith erlaubt viele Blicke aus unterschiedlichen Standorten. Und zeigt doch stets nur eine Frau, die nicht und nie einzigartig sein wollte und die trotzdem aus dieser Haltung heraus respektvolle Distanz aufschichtete.

     

    Manchmal schaute sogar unnahbar erscheinende Kühle aus den Bildern, darin ein gefühlter Frost, der in die Fotos eingraviert war wie heute die Tattoos junger Rockmusiker. Nein, eine Rocklady war sie nie, schon gar kein Vamp, vielmehr ein Mensch, der aus sich selbst heraus wirkt und dazu keine extravagante Kleidung benötigt oder aufgesetzt wirkende Selbstdarstellungsrituale. Sie war höchstens extravagant durch ihre modische Schlichtheit, ein Antientwurf zum Glamour zeitgenössischer Kolleginnen wie Diana Ross oder die beiden Damen von Abba.

    Die Poetin und Sängerin Patti Smith, die auch als bildende Künstlerin einen Weg fand, ihre Persönlichkeit und ihre Vorstellung von Kunst zum Ausdruck zu bringen, gehört in die Riege der stillen Stars, die etwas zu sagen haben und das lautstark tun. Am Hofe der Underground-Dichterin Patti Smith arbeitete Frank Stefanko als Hoffotograf. Zeitweise, denn die Fotos seines Smith-Bildbandes entstanden im Zeitraum von 1970 bis 1980. In einem Jahrzehnt also, in dem "sich auch aus der jungen Patti Smith mit künstlerischen Ambitionen die Künstlerin von heute zu entwickeln" begann (Stefanko im Vorwort). Lenny Kaye, langjähriger Gitarrist der Patti Smith Group, spricht von einer ambivalenten Frauenfigur, die zwischen dem "Mädchen aus South Jersey" und der hochgeachteten und hochverehrten Künstlerin pendelt. In Frank Stefankos Fotografien entdeckt man im Gesicht dieser Frau die große Tiefe des Rock'n'Roll, seine berstende Kraft und den hohen Anspruch, der hinter kurzlebigen musikalischen Trends lauert. Denn Patti Smith zog ihr Ding durch, ein Ding, das das Mädchen aus Chicago später in New York inhalierte wie einen geschenkten Joint. Sie ist und war keine Schönheit, aber schon recht frühzeitig in ihrer Karriere eine Ikone. Die großen Augen versprechen nicht nur den Genuss ihrer ausschweifenden, manchmal bizarren Musik, sie verheißen auch seinen praktischen Gebrauch.

    Sie liebte die Rolling Stones und scheint auf einer Fotostrecke dem Sänger Blixa Bargeld (Einstürzende Neubauten) wie aus dem Gesicht geschnitten. Englands Rock'n'Roll-Export um Mick Jagger – auf einem Foto trägt sie ein T-Shirt mit dem Konterfei von Keith Richards – beeindruckte sie sehr, und bei einem Konzert der Band in Philadelphia 1965 "war [sie] so verwegen, Bill Wyman niederzustarren, bis er aufgab und ein breites Grinsen aufsetzte."

    In Kapitel 3 "Die Entwicklung zur Künstlerin", zeigt Frank Stefankos Fotostrecke eine Patti Smith, die – komplett in schwarz und in Lederhose gekleidet – eine verblüffende Ähnlichkeit mit Blixa Bargeld offenbart. Besonders auf den Aufnahmen, auf denen sie diese große schwarze Ballonmütze trägt, scheint der Sänger der Einstürzenden Neubauten für Patti Smith sein Gesicht hingehalten zu haben.

    Chris Murray, Gründer und Direktor der Govinda Gallery in Washington DC, bringt das Verhältnis zwischen Frank Stefanko und Patti Smith im Nachwort des Buches auf den Punkt. "Es war die intensive Beziehung zwischen dem Fotografen und seinem Modell, die entscheidend zur Entstehung der eindrucksvollen Porträts von Patti und der Patti Smith-Group beigetragen hat..." Und er zitiert drei Zeilen aus einem Smith-Gedicht neueren Datums: Beauty alone is not immortal,/It is the response, a language of cyphers, notes and strokes/riding off in a cloud charger... So nahe liegt manchmal die Wahrheit neben der verewigten Ikonografie.

    Klaus Hübner


    Frank Stefanko: Patti Smith – American Artist.
    Aus dem amerikanischen Englisch von Angela Meermann.
    Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag. Berlin. 2006.
    164 Seiten.
    ISBN: 978-3-89602-729-0.
    39,90 Euro

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