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Annette Meyhöfer: Eine Wissenschaft des Träumens.

30.11.2006


Das beste Buch über Sigmund Freud

Sachlich und spannend zugleich. Eine ganz besondere Biografie über den Begründer der Psychoanalyse.

 

Das Freud-Jahr ist fast vorbei. Annette Meyhöfers Buch über Sigmund Freud ist schon vor einigen Monaten erschienen. Erst jetzt komme ich zum Lesen. Und es ist kein Buch, das man an einem Abend ausliest.

Ein opulentes Werk voller Fakten

Mit seinen 798 Seiten ist das Werk der promovierten Literaturwissenschaftlerin ein ganz besonders umfassender Schmöker. Umfassend nicht nur in Bezug auf die Seitenanzahl, sondern auch hinsichtlich des Inhalts. Es gibt kaum ein Detail aus Freuds Leben, das in Meyhöfers Buch nicht vorkommt. Erstaunlich, wie sie es geschafft hat, die vielen Fakten zusammen zu tragen. Denn der Begründer der Psychoanalyse hat versucht sein eigenen Leben im Dunkeln zu halten. Niemand sollte in das Leben und die Seele des Menschen eindringen, der es sich zum Beruf gemacht hat, die Seele anderer zu erforschen.

Porträtiert wird nicht nur Freud, sondern auch seine Zeit

Es gibt viele Biografien über Freud. Keine mir bekannte geht so unvoreingenommen an ihn heran wie die vorliegende. Vielleicht auch deswegen, weil „Eine Wissenschaft des Träumens. Sigmund Freud und seine Zeit“ ein wenig mehr ist als ein Porträt über einen Einzelnen, vielmehr ein Spiegel der damaligen Gesellschaft, eine Erzählung über die Psychoanalyse sowie eine poetische Annäherung an den großen Wissenschaftler. In dieser breiten Herangehensweise erinnert das Buch an Carl Schorskes richtungsweisendes Werk über Wien zu dieser Zeit (Carl E. Schorske: Wien. Geist und Gesellschaft im Fin de Siècle. Fischer Verlag 1982).
Meyhöfer verliert sich nicht in Richtungsstreitigkeiten, vielmehr zeigt sie deren Wurzeln auf, indem sie beinahe lapidar von den Problemen mit Carl Gustav Jung, Wilhelm Stekel oder mit Alfred Adler erzählt.
Diese sachliche Erzählweise ist der ganz persönliche Stil Meyhöfers. Auch wenn es um so intime Details wie Verfehlungen der Verlobten und Verdauungsprobleme geht, bleibt die Autorin stets distanziert, beinahe trocken.

Wissenschaft des Träumens

Im Zentrum steht „Die Traumdeutung“. Träume als Ausgangspunkt von Selbstanalyse werden von Meyhöfer immer wieder thematisiert. Dabei verwendet sie Freuds Tagebücher und Briefe. Denn Freud hat zwar sehr viele persönliche Papiere und Notizen verbrannt. Doch einige Dokumente und Niederschriften aus seinem Privatleben sind noch erhalten.
Als ehemalige Journalistin beim Spiegel, der Süddeutschen Zeitung, dem Stern und bei Focus hat Annette Meyhöfer recherchieren gelernt. Ihre ganz besondere Begabung, Fakten so zu arrangieren, dass sie spannend zu lesen sind, macht sie zu einer hervorragenden Sachbuchautorin. Denn so dick das Buch ist, so schwer kann man es aus der Hand legen. Man muss immer weiter lesen und weiter, bis man schließlich beim letzten Satz angelangt ist: „Freud starb um drei Uhr morgens, am 23. September 1939, an Yom Kippur.“

Maria-Bernadette Ehrenhuber


Annette Meyhöfer: Eine Wissenschaft des Träumens. Sigmund Freud und seine Zeit.
Sachbuch
Knaus Verlag 2006
Hardcover, 798 Seiten, 24,95 ¤
ISBN 3-8135-0228-7

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