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    TITEL kulturmagazin
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    Tullio Kezich: Federico Fellini

    15.03.2006

    Fellini, ein Kontinent

    Wer die Biographie eines Filmstars schreibt, der tut es meist, um sich selbst in den Vordergrund zu rücken. Wie erfreulich ist es da, dass die neue und erweiterte Version der Fellini-Biographie von Tullio Kezich gerade das Gegenteil tut!

     

    Das Werk von Federico Fellini ist bekanntlich ein Kontinent für sich; es gibt denkbar viele Ausgangspunkte, ihn sich zu erschließen. Ein besonders anspruchsvoller ist die neue, in Italien bereits 2002 erschienene Fellini-Biographie von Tullio Kezich.

    Biographen berühmter Leute schreiben ihre Bücher nicht selten, um sich selbst mit dem Ruhm anderer zu zieren, zumal dann, wenn es um das Leben einer Filmgröße geht. Nicht so bei Kezich. Er blendet seine eigene Person gänzlich aus und schreibt nur von Fellini. Aber auch über Fellini schreibt er im Entferntesten nicht voyeuristisch. Diesen Vorzug, so lässt der Biograph mehrmals durchblicken, genießen nicht alle Fellini-Biographien. Er ist diskret, aber nicht beschönigend. Das Buch ist eine Werkbiographie im besten Sinne.

    Sachte Dekonstruktion

    Die Biographie beginnt mit einer der zahlreiche Legenden, zu deren Verbreitung Fellini sicher auch seinen Beitrag geleistet hat, nämlich mit seiner Geburt in einem fahrenden Zug. Kezich geht nun so vor wie im ganzen Buch, dass er Legenden sachte dekonstruiert, ohne jeden Gestus der Entlarvung, sondern mild und mit Sympathie.

    Der Leser erfährt von der Großeltern- und Elterngeneration, von Rimini, dem Provinzstädtchen, in dem Fellini 1920 zur Welt kam, von Kindheit und Jugend, dem Erwachen des zeichnerischen Talents und dem Aufbruch Fellinis nach Rom, einem wesentlichen Element.

    Zum Film kam Fellini auf größeren Umwegen und wenig zielstrebig. Zeichnete er zunächst Karikaturen und schrieb kleinere, meist ironische Artikel, kam er bald als Autor zum Radio und von dort zum Drehbuchschreiben. Auch beim Film bedurfte es noch einiger Zeit, bis er, zunächst nur für einige Szenen, Regie führte und dann seine ersten eigenen Filme machte.

    Politisch grundiert

    Es gibt einen politischen Grundton, eher einen Hintergrundton, in dem Buch. Das ist nämlich die gesellschaftliche Lage Italiens, vor allem der Faschismus, sein Ende und die Nachkriegszeit, die intellektuell vor allem von der Linken geprägt wurde, als deren filmischer Protagonist Visconti sich verstand; als gewissermaßen apolitischer Antagonist wurde ihm Fellini entgegengestellt.

    Kezich macht deutlich, dass sich Fellini zwar zeitweise in einem persönlichen Antagonismus zu Visconti sah, allerdings nie einen politischen Ehrgeiz hatte, was ihn natürlich (aus linker Perspektive) geradezu prädestiniert zum affirmativen bürgerlichen Formalisten, der eher eine grundlegende Zivilisations- als eine agitatorische Gesellschaftskritik betreibt.

    Lässt man die Aufgeblasenheiten des linken Diskurses beiseite, wie es auch Kezich tut, bleibt das Bild eines cineastischen Mythographen, der uns als Filmzuschauer teilhaben lässt an seiner epischen Welt und seiner getrosten Verzweiflung.

    Der Band enthält neben einem ausführlichen Register und einer gründlichen Zeittafel eine aufwändige Filmographie von über hundert Seiten mit einer detaillierten Beschreibung eines jeden Fellini-Films. Es sind nicht zuletzt diese Arbeitsmittel, die das Buch zu einem wichtigen Beitrag zur Fellini-Forschung machen.

    Bernd Draser


    Tullio Kezich: Federico Fellini. Eine Biographie.
    Aus dem Italienischen von Sylvia Höfer.
    Diogenes Verlag Zürich, November 2005
    Gebunden, 752 Seiten. 29,90 ¤.
    ISBN 3257064977.

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