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Moon Suk: Mond und Sterne

09.03.2006

Eine Landung auf dem Mond

Dackel, saftige Erdbeeren und andere Selbsteinschätzungen deutscher Stars. Von MAGGIE THIEME

 

An Deutschlands-Showhimmel glitzern viele Sterne: Filmstars, Fernsehsternchen, singende Stars, Crossover-Stars, Galeriestars, Festivalstars und eine Menge mehr. Moon Suk bereiste mit dem Fotografen Jim Rakete das Firmanent und traf eine Auswahl. 22 Sterne, die das öffentliche Leben erhellen, stellt sie in ihrem Band poetischer Portraits vor. Darunter finden sich u.a. Meret Becker, Erdal Yildiz, Dr. Motte, Judy Winter oder Detlev Buck.

Die Koreanerin Moon Suk, selbst eine Allroundkünstlerin als Sängerin, Schauspielerin und Moderatorin, begegnet ihnen auf Augenhöhe. Und das ist gut so. Ihre offensiv respektvolle Annäherung, auch in Form der auf den Leib der Stars geschriebenen Gedichte, in denen sie sich mit ihrem Bild des Interviewten auseinandersetzt, könnte sie sonst leicht in den Verdacht der Anbiederei bringen.

Der Schauspielberuf bringt es nicht eben mit sich uneitel zu sein. Sich zur Schau stellen, in einer Rolle angeschaut, bewundert zu werden, trifft auch den Menschen dahinter. Befragt man den schauspielenden Menschen, tritt nicht selten der Selbstdarsteller auf. Zum Glück sind die meisten der Portraitierten doch bescheiden genug. Katharina Thalbach zum Beispiel, die sich mit Witz und Gelassenheit als einen kleinen Dackel beschreibt, die/der für Durchschnittlichkeit eben viel zu klein sei. Oder Ilja Richter, der sich als schöne rote Rose sähe, gliche er nicht mehr einer saftigen, überreifen Erdbeere.

Die Reise in den deutschen Sternenhimmel offenbart Einsichten humorvoller Selbsterkenntnis. Es gibt anrührende Geständnisse und Selbstkritisches zwischen Berichten über Karriere und dem künstlerischen Selbstverständnis. Unterwegs auf dem rauhen Weg zu den Sternen findet überraschend viel normales Leben, normales Sorgen statt.

Moon Suk, die als Königin von Deutschland schon einen kleinen Hofstaat ihr eigen nennen kann, kennt die Welt der Planeten und weiß, dass diese viel Platz zum Strahlen brauchen. Sehr persönlich sind ihre Vorbemerkungen zu den Interviews. Manchmal poetisch, wie bei Romy Haag, die mit der chinesischen Prinzessin Turandot verglichen wird, manchmal jedoch nah dran, ihren Stern durch ein Zuviel an “surrealer Sympathie” zum Verglühen zu bringen.


“Mond und Sterne” ist ein sehr schön gestaltetes Buch, nicht zuletzt auf Grund der bestechenden Schwarz-Weiß-Fotografie Jim Raketes. Mögen die Leser und Leserinnen, die Fans herausfinden, ob das, was die Autorin vom Mond mitbringt, eine Ware ist, die den Sternenstaub wahrer Kunst mit sich trägt.

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