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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 22. Mai 2017 | 19:33

     

    C. A. Damiano u.a. (Hrsg.): "Was das nun wieder soll?"

    19.05.2005

     
    Heftig ins Brett gebohrt

    Rechtzeitig zur Publikation von „Abgesang ´45“ ist ein Buch mit Aufsätzen zu Werk und Leben Walter Kempowskis erschienen. Fernab vom verschwitzten Universitätsjargon bietet der Band einen Einblick in die literarische Vielfalt eines umfangreichen Werkes.

     

    Walter Kempowski ist nach der Veröffentlichung seines zehnten und letzten Echolot-Bandes „Abgesang ´45“ in aller Munde. Das Buch wurde in vielen Medien ausführlich besprochen, und Kempowski selbst ist in den letzten Monaten nicht müde geworden, den zahlreichen Fragestellern Rede und Antwort zu stehen. Noch ein Jahr vor diesem literarischen Großereignis fanden zwei Kongresse, einer in Ypsilanti, Michigan, und der andere in Bielefeld, zu seinem Werk statt. Diese Tagungen hatten den Zweck, den in Nartum bei Bremen lebenden Schriftsteller, als Gegenstand akademischer Betrachung ins Gespräch zu bringen. So viele Leser auch Walter Kempowskis Arbeiten weithin schätzen, so wenig Gelehrte haben sich bisher über ihn im universitären Rahmen verständigt.

    Das Resultat dieser Treffen liegt nun in Buchform vor: „Was das nun wieder soll?“ heißt der Band, in dem das Werk Kempowskis erstmals in seiner ganzen Breite beobachtet wird. Der Vorteil dieses Unternehmens liegt nun klar auf der Hand - nach Lust und Laune und gegenseitiger Absprache konnten die Beteiligten vorbehaltlos ins umfangreiche Werk greifen, um sich ein Thema rauszupicken, das ihnen zur Aufarbeitung am sinnvollsten erschien, denn wo nichts ist, da hat der Kaiser bekanntlich sein Recht verloren, oder besser gesagt, wo es keinen Forschungsstand gibt, da muss erst noch einer etabliert werden. So bietet sich also dem Kempowski-Interessierten ein Bild voll angenehmer perspektivischer Vielfalt. Über das umfangreiche „Echolot“-Projekt wird verhandelt, über den Roman „Aus großer Zeit“ wird argumentiert, der Befragungsband „Haben Sie Hitler gesehn?“ wird analysiert, und all das fügt sich mit fataler Sicherheit zu einem sinnvollen Ganzen zusammen. Hier wird das Brett an etlichen Stellen angebohrt, und das scheint für eine erste, tastende Herangehensweise an ein so breit angelegtes literarisches Werk auch genau das richtige Programm zu sein.

    „Was das nun wieder soll?“ ist gleichsam bekömmlich und aufschlussreich, die meisten Aufsätze umgehen die zu häufige Verwendung wissenschaftlicher Begriffe. Das tut ihnen gut und ist mit Sicherheit der Tatsache geschuldet, dass neben Wissenschaftlern auch Kritiker zu Wort kommen, die bereits von Haus aus für ein in vielen Fällen unakademisches Publikum schreiben. Der Spiegel-Redakteur Volker Hage sieht Kempowski als Chronist des Luftkriegs, und Hage bezieht sich mit dieser Position auf eine These von W.G. Sebald, der in seiner Zürcher Poetikvorlesung „Luftkrieg und Literatur“ die Behauptung aufstellte, dass sich die Verarbeitung des Luftkriegs in der deutschen Literatur nur in homöopathischen Dosierungen zeigt. Jan Philipp Reemtsma erfindet in Anlehnung an Samuel Beckett die Gattung der „Endspiele“, führt ein Konvolut an Texten dieses neuen Genres an, und integriert auch Kempowski darin. Und selbst die jüngsten Veröffentlichungen von Walter Kempowski werden unter die Lupe genommen, wenn Peter Brand sein „close reading“ von „Letzte Grüße“ vorstellt und das Buch in den Kontext der anderen Romane einordnet.

    Gerade die Romane der „Deutschen Chronik“ lassen den an radikaleren ästhetischen Schreibweisen wie James Joyce oder Arno Schmidt geschulten Leser häufig etwas ratlos mit der Frage zurück, ob Kempowski nun zu solchen literarischen Größen an die Seite zu stellen sei. Die erheiternden, erbaulichen Momente und der skurrile Blick auf die Alltagsgeschehnisse verleihen den Romanen, ob sie nun „Tadellöser & Wolff“, „Uns geht´s ja noch gold“ oder „Herzlich willkommen“ heißen, den Anschein von schlichter und selbstgefälliger Unterhaltung, und diese Kritik ist wohl auch nicht gänzlich unhaltbar. Dass aber auch häufig überlesen und damit nicht zur Kenntnis genommen wird, dass es bei Kempowski abgründige, den Geschmack des common sense irritierende Passagen gibt, so etwas führen einige Aufsätze von „Was das nun wieder soll?“ vor. „Letzte Grüße“ endet mit dem Satz „Ach, du lieber Sowtschick, jetzt liegst du da, und blutest noch nicht einmal aus dem Mund!“, und man ist ganz baff und erstaunt, was uns dieser Schluß suggerieren möchte. Ist das heitere Komik, schwarzer Humor oder bloß brüchiges Pathos?

    Thomas Combrink


    Carla A. Damiano, Jörg Drews und Doris Plöschberger (Hrsg.): „Was das nun wieder soll?“ Von "Im Block" bis "Letzte Grüße".
    Zu Werk und Leben Walter Kempowskis.
    Wallstein, Göttingen, 2005.
    Broschiert, 272 S., EUR 24,00.
    ISBN 3-89244-887-6

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    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

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