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    TITEL kulturmagazin
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    Anaïs Nin: Nächte unterm Venusmond

    17.02.2005


    "Der Traum ist mein einziges Leben"

    Die Tagebücher der Anaïs Nin – ein Kaleidoskop ihres übervollen und sinnlichen Lebens voller Freuden und Qualen, Liebe und Selbstzweifel.

     

    Anaïs Nin (1903 – 1977) war eine Frau mit vielen Facetten, die sich nicht scheute, diese auszuleben und sich selbst auf vielfältige Art zu verwirklichen – sie war Schriftstellerin, Ehefrau, Muse und nicht zuletzt eine sehr sinnliche Frau, die kompromisslos und mit großer emotionaler Intensität die Fülle des Lebens auskostete.

    Ihr Lebensthema ist die Liebe, die sie in ihren verschiedenen Formen erlebt, Quelle sowohl überwältigender Freude als auch großen Schmerzes. Auch in den nun vorliegenden, bisher unveröffentlichten Tagebücher der Pariser Jahre 1937 bis 1939 geht es vorrangig darum: die (inzestuöse) Liebe zu ihrem Vater, die Beziehungen zu drei Männern, Gonzalo (sinnlich, körperlich), Henry Miller (eine sich wandelnde Liebe hin zu einer mystischen Form), ihr Ehemann (mit dem eine sexuelle Beziehung für sie unmöglich ist, der aber ihr Ruhepol ist, der sie davor bewahrt, verrückt zu werden), das Spiel, ihre Reize an verschiedenen anderen Männern auszuprobieren, ohne wirkliches Interesse, und schließlich die alle Menschen einschließende, "kosmische" Liebe, die für Anaïs Nin mit Beschützerinstinkt und Aufopferung für ihre Freunde, ja für die Menschheit, einhergeht. Erst wenn es anderen gut geht kann sie mit genug innerer Freiheit an sich, an ihre eigene schriftstellerische Arbeit denken.

    Ihre Weigerung, sich auf eine Beziehung zu beschränken, führt gleichzeitig zu der schmerzhaften und bis zur körperlichen und seelischen Erschöpfung führenden Erkenntnis, dass die Dualität zwischen Henry und Gonzalo sie schwächt und die Angst vor Zerstückelung übermächtig wird. Dennoch kann sie diese Situation nicht ändern. Eine weitere Dualität bestimmte ihr Leben: zwischen Tagebuch und Roman, zwischen dem, was sie fast wie das Atmen braucht, in dem sie einen Traum erschafft, der sie die harte Realität ertragen lässt, und ihrem eigentlichen schriftstellerischen Schaffen.

    Das Tagebuch bot Anaïs Nin Raum zum Ausdruck ihrer innersten Gefühle, die sie nach außen aufgrund ihres Hangs zur Selbststilisierung nicht preisgeben konnte. Im Tagebuch ist sie natürlich, aber nicht in ihren Romanen. Allerdings war ihr Werk auch heftiger Kritik ausgesetzt, der Frauentyp, den sie darstellte, mit ihrer Aufopferung für die Männer, die sie liebte, erntete u.a. Widerspruch von Simone de Beauvoir. Man mag ihr auch Narzissmus und Selbstbespiegelung vorwerfen, weil sie sich ja im Tagebuch so präsentieren kann, wie sie gesehen werden möchte. Dennoch spürt man eine große Offenheit und Ehrlichkeit sich selbst wie anderen gegenüber, und sie sorgte sehr für ihre Freunde und deren Entwicklung und Wohlergehen, allerdings immer mit der finanziellen Unterstützung ihres Mannes, der ihr ermöglichte, ein so extrovertiertes Leben zu führen.

    Anaïs Nin ist auch heute noch Vorbild für den Kampf einer Frau nach einem selbstbestimmten Leben jenseits gesellschaftlicher Konventionen und um den Status als Künstlerin und Schriftstellerin. Die Tagebücher haben das Potential, Menschen zu inspirieren, zu berauschen, zu verändern, man entdeckt neue Schätze, neue Erkenntnisse, neue Selbsterkenntnisse. So übersteigen die Tagebücher die rein persönliche Ebene und gewinnen universellen Wert. Sie sind Ausdruck ihrer Suche nach Selbsterkenntnis, nach Reifung, nach psychologischer Einsicht, die sie durch eine Verbindung zwischen analytischer und assoziativer Sprache erreichte, die sowohl die Passagen über ihre eigenen Gefühle als auch die Charakterisierungen ihrer Künstlerfreunde prägt. Ein befreites Ich lässt sich nur durch Tagebuchschreiben erreichen. Die Tagebücher beweisen den Mut einer Frau, entgegen der herrschenden Regeln emotionale und finanzielle Risiken für die Liebe und die Kunst einzugehen, kompromisslos für das zu leben, was ihr wichtig ist, und sich gegen rigide Systeme wie den Kommunismus zu wenden. Sie ist und bleibt eine Quelle der Inspiration.

    Saskia Breitling


    Anaïs Nin: Nächte unterm Venusmond – die bisher unveröffentlichten Tagebücher 1937 - 1939
    Aus dem Englischen von Monika Curths
    Fischer Taschenbuch Verlag, 2005.
    Paperback. 509 Seiten. ¤ 9,90
    ISBN: 3-596-16406-0




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