• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 26. April 2017 | 13:49

     

    Bob Dylan: Chronicles

    17.02.2005

     
    Humorvolles Tellerwäscher-Märchen

    Der erste Band von Bob Dylans lang ersehnter Autobiographie ist da: ein eigenwilliger, gar nicht chronologischer, relativ schmaler Band.

     

    Nicht nur eine Neuauflage der Texte Bob Dylans erschien jüngst, sondern auch der erste, relativ schmale Band seiner lang erwarteten Autobiographie. Unzählige Bücher sind über ihn geschrieben worden, das wohl beste unter ihnen, No Direction Home, stammt von Robert Shelton und erschien bereits 1986. Seitdem überschlägt man sich mit mehrbändigen Werken, die oft viel, aber oft auch recht wenig über den Mann und seine Musik vermitteln. Als Dylan vor ein paar Jahren nun ankündigte, seine Autobiographie zu schreiben, erwartete man ein Mammutwerk, und spätestens als Chronicles als erster Band einer Reihe erschien, hatten sich die potenziellen Leser auf eine chronologische Narration eingestellt, die ihren Anfang in den Kindheitsjahren in Hibbing/Minnessota nimmt, den Weg nach New York City nachzeichnet und dann in der „Never Ending Tour“ mündet, auf der sich Dylan seit den 80er-Jahren befindet.

    Doch so sollte es nicht sein. Chronicles. Vol. 1 beginnt mit den musikalischen Erweckungen des jungen Robert Zimmermann, bevor wir seine Reise in den harten Winter von New York verfolgen dürfen, seine ersten Engagements in schäbigen Folk-Clubs. Meist wohnt er bei Freunden und Bekannten, lauscht tagsüber deren Platten und stellt sich abends in den angesagten Clubs vor, in denen er für einen Hungerlohn spielen möchte, bis er sich in der Szene langsam einen Namen macht. Diesen sentimental erzählten Anfang seiner musikalischen Karriere schildert Dylan wie das altbekannte Tellerwäscher-Märchen, humorvoller vielleicht, wie man seinem in den letzten Jahren immer verschlossenerem Wesen zugetraut hätte.

    Nach diesen kurzen Wanderjahren fängt Dylans narrativer Strang an, sich aufzulösen. Er redet Seiten über Seiten von seiner – zugegebenermaßen ziemlich langweiligen – Country-Platte „New Morning“ aus dem Jahre 1971, um dann eine endlose Passage dem 89er-Comeback-Album „Oh Mercy“ zu widmen. Motorradunfall und anschließende erste mythische Christianisierung durch das Album „John Wesley Harding“? Nicht viel darüber. Die großen Meisterwerke der 70er-Jahre, „Blood o­n the Tracks“ und „Desire“, die im Grunde alles in den Schatten stellten, was er zuvor produziert hatte? Vielleicht ein Satz. Kann das schon alles gewesen sein? Es werden ja noch einige Teile folgen von Chronicles. Vol.1. Es war ja klar, dass ein Querdenker wie Dylan sich nicht am üblichen Spiel der sich selbst beweihräuchernden Autobiographie beteiligt, sondern einen eigenen Weg geht, der, im Gegensatz zum Titel des Werkes, die Chronologie ignoriert und via Assoziationsketten arbeitet. Wer allerdings Dylans Roman Tarantula kennt, der weiß: es hätte viel, viel schlimmer kommen können.

    Sascha Seiler


    Bob Dylan: Chronicles.
    Autobiografie - Die 60er Jahre. (Originaltitel: Chronicles).
    Aus d. Amerikanischen von Kathrin Passig, Gerhard Henschel.
    Hoffmann und Campe
    Taschenbuch. 303 Seiten. 22,00 EUR.
    ISBN: 3-455-09385-X

    TITEL ist umgezogen!

    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

    Die böse Schlange
    und das weiße Kaninchen

    In diesem Land stimmt etwas nicht. Der Feminismus nämlich. Schwach steht er da, der Wind pfeift durch die Löcher seines theoretischen Unterbaus. Ähnlich steht es mit den Frauen. ...

    Petraeus und sein Stab

    Die menschliche Existenz ist voll von Paradoxa. Krieg etwa gehört zu den schlimmsten Dingen, die Menschen einander antun können; die Ausführenden des Kriegs allerdings, das ...

    Der Spielplatz macht zu

    Nach drei Ausgaben wird das Games-iPad-Magazin Spielplatz wieder eingestellt. Was dahinter steckt, wollte RUDOLF INDERST im Gespräch mit den beiden Machern Henning Ohlsen und Mark ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    Seitenhiebe

    Auf ihrem nächtlichen Heimweg werden Anne und René Winkler (Natascha Paulick, Stefan Kurt) von drei jungen Männern attackiert und brutal zusammengeschlagen. Die Polizisten Phillip ...

    Zwischen Karikatur und Avantgarde

    Lyonel Feininger ist eine Ikone der Klassischen Avantgarde. Er hat einen festen Platz im Lieblingsmaler-Pantheon. Doch auch solch ein Weltrangmeister ist nicht vom Himmel gefallen. Die Ausstellung ...

    Die Geschichte geht weiter

    Wieder ein Weltbestseller – Carlos Ruiz Zafóns Roman Der Gefangene des Himmels. Von PETER MOHR

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter