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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 30. April 2017 | 18:34

     

    Alice Schmidt: Tagebuch aus dem Jahr 1954

    13.01.2005

    Ein Jahr in Alices Wunderland

    Die Ehefrau des „Solipsisten in der Heide“ hat ein Tagebuch geschrieben. Jetzt sind ihre Aufzeichnungen aus dem Jahr 1954 erschienen, als Arno und Alice Schmidt nach Ostberlin reisten. Die intimen Notate von Alice Schmidt sind ein ebenso einzigartiges wie absonderliches Dokument der Zweisamkeit in „Adenauer-Deutschland“.

     

    Von ihr wären, wie von „Frau Thomas Mann“ (oder seiner Tochter Erika), keine postumen Erinnerungen an ihren „Zauberer“ zu erwarten gewesen. Den Ehrgeiz hatte Alice Schmidt, geborene Murawski, nicht, nirgends, nie. Gegen den zyklopischen Arno war sie eine Niemand, das wusste sie. Klein aufflackernde Ehrgeize, als Übersetzerin oder Journalistin ihrem Mann zur Hilfe zu kommen, um das finanzielle Überleben des solitären Paares zu sichern, wurden nach seiner einmaligen Aufforderung, Coopers Littlepage-Trilogie zu übersetzen (was er dann Jahrzehnte später lieber doch selbst besorgte), von ihm rabiat abgebürstet. „A. knickt mir wieder meine Flügel“, schreibt sie einmal: Er hat es mehrfach getan.

    Gewiss zu Recht – nicht nur, weil bei seiner erwählten Adeptin kein nennenswertes Talent vorhanden gewesen ist; sondern auch, weil Arno Schmidts Vorstellung von dem, was Literatur und deren Handwerk sei, nur rigide Qualitätsmaßstäbe gelten ließ (erfundene Referenzen und abgekupferte Aneignungen inkl.). Ein einziges Brotarbeitsstückchen, das unter seinem Namen publiziert wurde und vielleicht auf eine (Vor-)Arbeit von ihr fußt, ist womöglich die winzige Ausnahme von der Regel. „Die von beiden gehegte Phantasie einer Arbeitsgemeinschaft ist keine gemeinsame“(Jan Philipp Reemtsma); denn der „Gebrauch“, den Schmidt „infolge unserer unverschämten Suprematie im Fach“ von seiner Lebensgefährtin gemacht hat, ist „funktionalistisch“, um nicht zu sagen: ohne eine Spur von Empathie, kaltherzig. Dass Seinesgleichen nicht sympathisch oder „menschlich“ sind, hat er oft genug behauptet.

    Ein einzigartiges Dokument

    Aber Alice Schmidt schrieb ein Tagebuch – regelmäßig, zumindest vom 22. September 1948 bis zum 3. Juli 1956. Von 1957 bis 1962 führt dann Arno Schmidt ein eigenes Tagebuch mit kürzesten Notizen. Erst ab 1965 setzte Alice ihr Tagebuch wieder fort, anfangs unregelmäßig, dann erneut wieder elaboriert, bis seit 1966 oft monatelange Lücken auftraten, und unregelmäßig hat sie es nach Arno Schmidts Tod 1979 bis zu ihrem eigenen 1983 fortgeführt.

    Diese Informationen sind dem editorischen Nachwort von Susanne Fischer zu entnehmen, die jetzt Alice Schmidts Tagebuch aus dem Jahre 1954 herausgegeben hat. Jan Philipp Reemtsma gibt dem umfänglichen, vorzüglich kommentierten und mit einer Reihe von Faksimiles und Fotos versehenen Band sowohl mit einem Vor- als auch mit einem Nachwort umfassenden Begleitschutz, und wenn man es recht und mit neidlosem Respekt betrachtet, hat Reemtsma auch gleich fast alles gesagt, was zur Begründung und zur Interpretation dieses einzigartigen Dokuments einer Lebens- und Arbeitssymbiose aus der Frühzeit der Bundesrepublik zu bemerken wäre. Wie man selbst damit umgeht und was man sich daraus entnimmt oder erspekuliert, ist jedes Lesers Sache. Für den „Bargfelder Boten“ und seine Beiträger wurde damit jedenfalls ein neues Schauerfeld zum individuellen Beackern freigegeben. (Gerade ist dort als Sonderlieferung des „BB“, unter dem Schmidt-Titel Bilderkacheln, ein „Album zu Arno Schmidts Roman `Das steinerne Herz´“ erschienen. Die Autoren haben an zeitgenössischen Bilddokumenten, Anzeigen, Landkarten usw. zusammengetragen, was dem „Beobachter und Topographen“ vor Augen gekommen sein mag, als er in Ahlden, Hannover und Ost-Berlin für seinen 1954/55 entstandenen Roman recherchierte.).

    Die von dem Arno-Schmidt-Mäzen Reemtsma als Nachlassverwalter gegründete und geführte „Arno Schmidt Stiftung“ beabsichtigt nicht, das umfängliche Tagebuchwerk von Alice Schmidt in toto zu publizieren. Den Kennern und Liebhabern des Autors soll nur durch die jetzige Publikation eines Jahresbands die Möglichkeit gegeben werden, sich „durch exemplarischen Einblick ein ungefähres Bild des Ganzen zu machen“ (Reemtsma). Recht so. Wer noch mehr als Wissenschaftler wissen will, gehe nach Bargfeld ins Archiv. Nicht auf alles hat „die Öffentlichkeit“ einen „Anspruch“.

    Das Jahr 1954 wurde mit Bedacht für die singuläre Publikation ausgewählt. Seit 1948 hatte Schmidt in sechs Jahren im Rowohlt Verlag den Erzählungsband Leviathan und die später so genannte Nobodaddy´s Kinder-Trilogie und Die Umsiedler & Alexander in der Frankfurter Verlagsanstalt publiziert. Aber nach der Jahresabrechnung des Rowohlt Verlags standen die beiden Um- und Einsiedler, die es als Schlesien-Flüchtlinge nach Kastel an der Saar verschlagen hatte, bei Rowohlt mit 101,73 DM dennoch in der Kreide.

    Die armselige Idylle: Leben mit 160 DM monatlich

    Der Verlag war darüber so wenig erfreut wie der Autor, der einzig von seiner Schriftstellerei zu leben gewillt war. Arno Schmidts Übersetzungen bei Rowohlt – höchst bescheidene Nebeneinkünfte, denen erst ab 1956 die Hauptquelle seiner späteren materiellen Existenzsicherung, die Rundfunkessays unter Alfred Anderschs und Helmut Heißenbüttels „Süddeutscher Rundfunk“-Ägide, folgen sollte – brachten, im Vergleich zu den hohen Auflagen der Übersetzten, beleidigend wenig ein. Das Ehepaar musste also von der Hand in den Mund und zeitweise von nur rund 160 DM im Monat leben, verkaufte oder tauschte antiquarische und neue Bücher (z. B. Bölls Haus ohne Hüter) oder erwirtschaftete mit kleinen Zeitungsaufsätzen ein karges Zubrot; nur Arno Schmidts in die USA emigrierte Schwester Lucy Kiesler versorgte die beiden relativ regelmäßig mit CARE-Paketen.

    Dabei hatte Schmidt sowohl das zweite größere Antikenstück (nach Alexander nun Kosmas), als auch seine umfangreiche Fouqué-Monografie und deren Seitentrieb, die Massenbach-Revue, und vor allem seine „Pocahontas“-Erzählung fertig vorliegen, für die er Publikationsmöglichkeiten suchte, und während des Jahres 1954 plante er schon wieder neue Werke: die Luftaufnahme und Tandemfahrten, ja aus ersterem lag schon im Frühjahr der Anfang des später daraus hervorgegangenen Steinernen Herzen vor.

    Der einzige (einflussreiche und umtriebig-mobile) Förderer Arno Schmidts – außer dem Bewunderer Werner Steinberg – war zu jener Zeit (und später) der Kollege Alfred Andersch, der Schmidts solitären Rang und Eigenart in der deutschen Nachkriegsliteratur erkannte und sich bewundernswert uneigennützig nach Kräften bemühte, dem Weltfremden und dessen Werken verlegerische Bodenhaftung zu verschaffen und ihn auch im Ausland bekannt zu machen. Schmidts eigene Versuche, 1954 für seine literarischen Texte westdeutsche Verlage zu interessieren – nach Rowohlt Kiepenheuer & Witsch, Desch, Claasen, S. Fischer, Scherz und Goverts –, scheiterten alle, und die von Eugen Kogon und Alfred Andersch gegründete „Frankfurter Verlagsanstalt“ fallierte. Am Ende blieb nur Anderschs Zeitschrift „Texte & Zeichen“ übrig, wo Pocahontas und Kosmas für 400 DM Honorar (!) nach 1954 erscheinen konnten: wohlgemerkt nicht als Bücher.

    Die Absagen der Verlage waren teils materiell (geringe Verkaufschancen), teils aber auch erkennbar politisch begründet: der Atheist und Pazifist, der die katholische Kirche ebenso verbal attackierte wie die Wiederaufrüstung der BRD und auch dem damals allseits „politisch korrekten“ Antikommunismus nicht einmal ein blankes Scherflein entrichte, war ein selbstbewusster „Schreckensmann“ und ein „heißes Eisen“, an dem sich in Adenauer-Deutschland kein Verleger die Finger verbrennen wollte.

    Das erlebte Unterfutter fürs Steinerne Herz

    Von allen diesen herben Enttäuschungen, Zurückweisungen und den wiederholten Selbstzweifeln, einen brotlosen Beruf ergriffen zu haben, ihn an den Nagel zu hängen oder in die DDR zu emigrieren, ebenso aber auch vom langsamen literarischen Kristallisationsprozess, der zu dem Steinernen Herzen, dem von Schmidt so genannten „Historischen Roman aus dem Jahre 1954 nach Christi“ geführt hat, berichtet Alice Schmidts Tagebuch. In dessen Zentrum aber steht eine mit gemischten Gefühlen und Arno Schmidts Widersetzlichkeiten unternommene größere Reise vom 25. Juli bis 7. August. Sie führt das völlig menschenentfremdete Paar nach Hannover und Ahlden (wo Schmidt dem Schicksal der nach dort verbannten Gräfin Sophie Dorothea v. Königsmark nachforscht), wie auch vor allem nach Ost-Berlin zu Alices Mutter Else Murawski. Der Aufenthalt in der damaligen DDR diente nicht zuletzt auch der Erforschung der dortigen Lebensumstände, die von Kastel, der sich wiederaufrüstenden BRD und der bundesrepublikanischen Verlagswirklichkeit aus betrachtet womöglich materiell wie ideel anders und besser für die angestrebte solitäre Schriftstellerexistenz zu sein schienen. Aber diese immer wieder erörterte Emigrationsutopie der beiden Weltfremden verflüchtigte sich jedoch am Ort schnell, stärker bewusst bei Alice als bei dem Querkopf ihres Mannes.

    Die Reise der beiden, die Alice samt familiären Flüchtlingserzählungen aus den für sie zu kurzen und flüchtigen Berliner Tagen detailliert nach der Rückkehr aufschrieb – wie sie überhaupt das Tagebuch nach punktuellen Kurzschriftnotaten erst nach den Erlebnisfällen aus- und auffüllte –, hatte nicht nur den desillusionierenden Ertrag, den Alice am 31. Dezember 1954 so summierte: „Aussichten für die Zukunft? Keine! Wenn wir uns ganz still halten, vielleicht läßt man uns dann in Ruhe.“ Zugleich jammern beide am Jahresende über das wohl nicht zu realisierende neue Buch: „Wäre noch mal schön geworden! 1. Teil: Der Sammler, 2.Teil dann die Reise nach Ostberlin. Aber die Schilderung dann“, zitiert sie Arno, „dann verderb ich´s mir follends mit allen. Hassen mich sowieso schon alle. Aber es gehört zum Zeitbild, dieses andere Stück Deutschland. Ginge dieser Militärwahnsinn nicht an, machte ichs noch. Aber, sobald dann Wehrgesetze usw. raus sind, dann noch dagegen zu schreiben ist ja reiner Selbstmord abgesehen davon, daß sich dazu gar kein Verlag fände.“

    Wie jeder Leser des Steinernen Herzens weiß, hat er den „reinen Wahnsinn“ doch noch „gemacht“, sogar dafür einen neuen Verlag und Verleger gefunden (wenn der auch, wie sich erst viel später zeigte, aus Angst zensoral eingegriffen hat). Der Leser aber begegnet in Alices Tagebuch der Entstehung des ersten Teiles des Steinernen Herzens, der schon am 23. April fertig war; aber was die Diaristin 1954 noch nicht wissen konnte: der heutige Leser blickt auch auf das reale Unterfutter der brisanten Stoffe, die Schmidt erst im Laufe des folgenden Jahres im einzigen gesamtdeutschen Roman von literarischem Rang sich zu seinem „Historischen Roman aus dem Jahre 1954 nach Christi“ zurechtschneiden sollte. Für die speziell daran interessierten Leser hat die Editorin alle relevanten Notizen der Genese separat aufgelistet.

    Buchenswerte Begattungsakte unter „L“

    Natürlich erschöpft sich aber darin nicht die Lektüre des Tagebuchs von Alice Schmidt, das einem Jean-Paul-Leser wie eine späte Materialisierung der „Siebenkäs“-Welt erscheinen dürfte. Denn diese Aufzeichnungen gestatten einem einen derart umfassenden und intimen Einblick in diese isolierte, ärmliche, armselige, zweizimmrige Lebens- und teilweise Arbeitszweisamkeit von Alice und Arno Schmidt, wie wohl kein zweites Dokument aus einer Schriftstellerehe. Als Nachleser wird man neben den jeweiligen, täglich mehrfach notierten meteorologischen Daten von Wolken- und Windverhältnissen, Außentemperaturen oder von Posteingang, Spaziergang, Schachspiel, Schreiben, Vorlesen und Alkoholkonsum, Einkäufen und Essenszubereitungen auch noch, ebenso exakt terminiert, über die Begattungen in dieser Ehe (unter dem Kürzel „L“ wie Liebe) „informiert“. Aller Tage Begebenheiten, manchmal auch Arnos nächtliche Träume, sind „buchenswert“. Jedes Fitzelchen von Ereignis wird minutiös festgehalten, schlägt sich in wiederkehrenden Kürzeln, in kurzen Zitaten aus Gesprächen und ausführlichen Zitaten aus Briefen an Arno Schmidt und Rezensionen seiner Bücher hier nieder. Ob der Autor aber auch, als zweiter und (Mit-)Leser des Tagebuchs, das zu führen er seine Frau anhielt, darin eine Gedächtnisstütze sah, die er für seine literarischen Arbeiten immer wieder anzapfte, mag dahingestellt sein, hat er doch die Speicherkapazität seines Gehirns für minutiöseste Wahrnehmungen nicht nur kokett beklagt, sondern auch für die Grundausstattung des Genies gehalten.

    Es liegt wohl nahe, im aufzeichnenden Tagewerk von Alice so etwas wie das auf Alltag herabgedimmte „Weiße Rauschen“ zu vernehmen, die murmelnd-leise Begleitmusik zu einer ehelichen Lebensgemeinschaft, die der Existenzsicherung durch häusliche Arbeit und Anwesenheit dient, um die solitäre literarische Kunstproduktion des Gatten dienend zu ermöglichen. Darf man aber vielleicht, ohne dass das beiden bewusst geworden wäre, in Alices (wohl auch) schreibender Beschäftigungstherapie so etwas wie die weibliche „Parodie“ der männlichen Tätigkeit „im Fron der Kunst“ sehen? Schreibt hier nicht etwa Sancha Pansa über ihre häuslichen Abenteuer in zwei Zimmern eines Bauernhauses – mit Don Arno Quichote? (und wir Nachleser wären dann deren beider: Miguel Cervantes?)

    Immerhin hat Alice zwei, drei zentrale Arbeitsprinzipien des Schriftstellers an ihrer Seite für ihr Tagebuch imitatorisch übernommen: zum einen Arnos penible Exaktheitsmarotten; zum anderen: was ihm seine Zettelwirtschaft aus Wort-, Dialog-, Satz- und Metaphern-Konzentraten war, aus der er dann seine Erzählprosa zusammenb(r)aute, waren für sie ihre Kurzschriftnotate, aus denen sie erzählerisch ihre Tagebucheintragungen entfaltete. Und schließlich: könnte man in dem, was die Editorin die „orthographische Unsicherheit oder vielleicht besser: Unbekümmertheit der Schreiberin“ nennt, darüber hinaus nicht auch einen Phonetismus vermuten, der „unbekümmert“ um die Orthographie wiedergibt, wie ihr der (schlesische) Schnabel gewachsen ist?

    Die Kätzel-Hagiographie

    So sehr sich Arno Schmidts fast lebenslange Ehepartnerin befleißigte, die Topografie ihrer seit 1945 ungetrennten Zweisamkeit auf wenigen Quadratmetern täglich zu vermessen, so sehr war sie aber erst ganz bei sich, wenn es um die tierischen Mitbewohner der prekären Idylle ging: um die Katzen. Über den „täglichen Katzenhaushalt“ (Reemtsma) und ihre Besorgnis um ihre und andere Katzen schreibt Alice mehr und detaillierter als über alles andere. Reemtsma (offenbar auch ein Katzenliebhaber) berichtet, dass Alice Schmidt jährlich die Todestage ihres Bruders und der Katze Purzel in unansprechbarer Trauer beging.

    Diese gleichwertigen Schmerzensrituale sind nicht die einzigen rituellen Absonderlichkeiten der beiden pragmatischen Rationalisten, denen kindlich-närrische Abergläubigkeiten nicht fremd waren. Aber ihre Katzen waren Alice so heilig wie Kühe den orthodoxen Hindus, und dass sie über ihre mütterlichen Hinwendungen zu ihnen auch noch schreibt, als gelte es, eine Kätzel-Hagiographie zu verfassen, irritiert selbst den späten Vertrauten Reemtsma.

    Meine These: hier kann Alice ihren kreatürlichen Wärmestrom der Anteilnahme fokussieren und ausleben. Wenn schon nicht das Verhältnis der beiden Menschen in ihrem Wohnungspferch von erkennbarer Herzlich- und liebevoller Zärtlichkeit gekennzeichnet gewesen zu sein scheint, so hängt aber Alices Herz und ihre wahrnehmbare Lebenswärme in emphatischer und empathetischer Liebe ganz an ihren Katzen, die immer nur im zärtlichen Diminutiv des „Kätzel“ bei ihr präsent sind; und selbst Gott Arno scheint sein Steinernes Herz von den Hauskatzen erweichen zu lassen: Beim qualvoll langsamen Tod zweier vergifteter Katzen und deren zeremoniöser Beerdigung im Garten – weint der Unnahbare sogar!

    Möge sich jeder des Weiteren seinen eigenen Reim darauf machen

    Das Tagebuch aus dem Jahr 1954 von Alice Schmidt ist jedenfalls eine Fundgrube für mannigfache Leitfossilien – nicht nur im Hinblick auf nun fundiertere Erkundungen der Arno-Schmidt-Philologie in diesem einzigartigen Lebensbiotop einer Selfmadeworld, sondern auch für Erkenntnisse über die Lebensprosa einer rigiden poetischen Existenz in der Unwirtlichkeit der deutschen Nachkriegsverhältnisse um die Mitte des letzten Jahrhunderts.

    Von Wolfram Schütte


    Alice Schmidt: Tagebuch aus dem Jahr 1954.
    Herausgegeben von Susanne Fischer.
    Eine Edition der Arno Schmidt Stiftung im Suhrkamp Verlag 2004.
    Gebunden. 334 Seiten. 38 Euro.

    Josef Huerkamp, Guido Erol Öztanil, Rainer Hendricks, Wolf-Dieter Krüger (Hg.): Bilderkacheln.
    Das Album zu Arno Schmidts Roman „Das steinerne Herz“.
    edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag 2004.
    Großformat. 128 Seiten. 32 Euro.





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