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Vittorio Hösle: Woody Allen

16.02.2004

 



Ha Ha Ha Ha




 

Philosophie, so unterstellt (und belegt) Vittorio Hösle in seinem "Versuch über das Komische" bei Woody Allen, ist die Grundlage für dessen Blick auf die Welt und insbesondere ihrer Menschen. Wenn auch diese Menschen hauptsächlich in New York leben, arbeiten, lieben, "existieren", so lassen sich deren Verlierereigenschaften auf viele, vor allem intellektuelle Wesen des Erdballs übertragen. Aus New York, dem "Zentrum der modernen Welt", erkundet Woody Allen auf eine ganz eigentümliche Art den seinerseits modernen Menschen mit all seinen Irrungen, Wirrungen und Merkwürdigkeiten.

Dem thematischen Einstieg in Hösles Werk liegt zunächst ein ziemlich schwerer Brocken im Wege. Diese in gewichtigem Stein gemeißelte Einführung beschäftigt sich mit einer Theorie des Lachens, die das Komische innerhalb der eingangs erwähnten philosophischen Aspekte beleuchtet. Dazu entführt er den Leser in das theoretische Werk von D.H. Monro ("Argument of laughter") und Henri Bergson ("Le rire. Essai sur la signification du comique"), die beide unter streng wissenschaftlicher Meinung das Lachen erforschten.

Im zweiten Kapitel erfahren wir dann endlich etwas über Woody Allens Humor. "Was sind die Faktoren, die Woody so unwiderstehlich komisch machen? Der Charakterzug, der unmittelbar in den Sinn kommt, ist natürlich sein gequältes Verhältnis zu Frauen und zur eigenen Sexualität." (S. 47) Und: "Allen [ist] nicht nur ein großer komischer Schauspieler, er ist, da er auch ein guter Autor ist, noch mehr ein ausgezeichneter Drehbuchautor und Filmregisseur." (S. 11) Zwei Aussagen, die Woody Allens Humor, seine Komik und seine Weltsicht auf zentrale Punkte lenken. So reicht nach Meinung Hösles die Kunst von Woody Allen an die eines Aristophanes oder eines Moliere mühelos heran. Hinter Allens Filmkunst steckt eine große Portion Moral, die auf den ersten Blick vielleicht gar nicht erkennbar ist, weil der oft durch Lachen verstellt wird. Das Mitgefühl des Regisseurs für all die entglückten Stadtneurotiker gebären erst das Lachen, wofür wir seine Filme zuerst auch lieben.

Hösles Buch ist keine neue Biographie des Universalgenies Woody Allen. Das Buch seziert auf sympathisierende Weise die ernste Seite der Komik und die komische Seite des Ernstes. Hösle erläutert nicht, wo wir über Woody lachen sollen, sondern warum wir an dieser und jener Stelle lachen.

Textauszug:
Woody Allen ist eine Herausforderung für die Philosophie.

Von Klaus Hübner



Vittorio Hösle: Woody Allen. Versuch über das Komische.
C.H.Beck Verlag 2001.
Kartoniert. 128 Seiten. DM 28,00
ISBN: 3-406-47265-6

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