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Samstag, 20. September 2014 | 12:11

Interview mit Steve Schapiro

11.11.2010

,,Berühmt? Davon weiß ich nichts."

 

Aber Steve Schapiro ist berühmt. Dort, wo Ruhm am schwersten zu erlangen ist, unter Künstlern. In den Händen des Filmfotograf wird ein Fotoapparat zur Camera Magica. Schapiro schuf ikonische Aufnahmen an den Filmsets von Chinatown, Der Pate und Taxi Driver. Von LIDA BACH

 

Den Titel von Martin Scorseses apokalyptischem Psychothriller trägt der überwältigende Bildband des Taschen Verlags, in dem der Künstler und Herausgeber Paul Duncan Schapiros Aufnahmen des Filmdrehs versammeln. In einer von Steve Schapiro signierten auf 1000 Exemplare limitierten Sonderedition erscheint „Taxi Driver“ Jeder kennt Schapiros enigmatischen Fotografien – ihn selbst kennt fast niemand. Bei der Buchpräsentation im Berliner Taschen-Store zeigte der unauffällige Gentleman neben seinem Werk auch seine persönliche Seite.

 

Mr. Schapiro, haben Sie einen Lieblingsfilm?

 

Nun, der jüngste Lieblingsfilm heißt „The Secret in their Eyes“. Das ist ein argentinischer Film, der vor ein oder zwei Jahren den Oscar gewann.

 

El secreto de suos ojos.

 

Ja. Ich hatte das Gefühl, dass dies ein spannender Film aus der Gegenwart ist. Gleichwertig mit einem Film, der in den Siebzigern gedreht wurde.

 

Was ist das Geheimnis Ihrer Augen, wenn sie durch die Kamera diese außergewöhnlichen Momente einfangen?

 

Wenn man sehr ruhig ist und die Ereignisse nicht stört und eine gute Einstellung hat, kann man so etwas erreichen. Dann man muss nur auf die richtigen Momente warten. Wenn man einen Sinn für Emotionen und einen Sinn für Design hat und man macht seine Aufnahme. Und man hofft, dass es eine Ikone wird oder zumindest sehr gut.

 

Wie haben Sie Martin Scorsese kennengelernt?

 

Das Studio entschied, dass ich Kontakt zur Filmbranche hatte und das ich mit den Leuten auskommen konnte und Aufnahmen machen, mit denen alle zufrieden waren. So haben ich ihn erst bei diesem Film getroffen und angefangen, mit ihm zusammen zuarbeiten. Davor kannte ich ihn eigentlich gar nicht. Außerdem hatte ich bereits an zwei Filmen mit Robert DeNiro gearbeitet. Also fügte sich alles zusammen.

 

Was war es für ein Gefühl, bei den Dreharbeiten dabei zu sein?

 

Es war großartig.

 

Was faszinierte Sie an Scorseses Taxi Driver?

 

Es ist ein ungeheuer eindringlicher Film. Ich arbeitete mit ausgezeichneten Schauspielern zusammen und einem unglaublichen Regisseur. Bobby DeNiro erschuf einen Charakter, den er lebte. Er veränderte seine ganzes physisches Verhalten und Benehmen, um zu dieser Person zu werden.

 

Ein Ausspruch von DeNiro und Scorsese, der ihre Persönlichkeit definiert?

 

„You lookin´ at me?“

 

Wie ist heute der Kontakt zu Martin Scorsese? Treffen Sie einander regelmäßig?

 

Nein, Regelmäßig treffe ich ihn nicht. Wenn man beim Film arbeitete wird man oft beste Freunde mit jemandem, während man an dem Film arbeitet. Danach sieht man sie vielleicht nie wieder. Erfahrungen sammelt man wirklich unmittelbar während des Projekts.

 

Haben Sie Taxi Driver oft gesehen?

 

Ich habe ihn mehrmals angeschaut. Kürzlich – ich war gerade in Miami – zu einem Q & A über den Film. Also habe ich ihn erst vor ein paar Wochen nochmal gesehen.

 

Was drückt Taxi Driver für Sie persönlich aus?

 

Der Film handelt wirklich vom Tod. Auf eine Art handelt es von jemandem, der aus dem Krieg zurückkehrt, sehr ähnlich denjenigen, die aus dem Irak- und Afghanistan-Krieg heimkehren. Oder den heutigen Kriegen. Jemand, der psychotisch ist, nicht schlafen kann und Taxi fährt.. und dann, als es so weitergeht, immer psychotischer wird. Es ist semi-autobiografisch aus der Perspektive des Paul Schraders, der das Script verfasst hat.

 

In Retrospektive glauben viel, die Ära großer Filme wie „Chinatown“ oder „Taxi Driver“ ist vorbei. Interessieren Sie auch zeitgenössische Regisseure?

 

Ich arbeite viel mit Michael Mann zusammen, der ein guter Freund ist und dessen Arbeit beim Film ich sehr respektiere.

 

Welches ihrer Filmprojekte hat Sie am meisten fasziniert?

 

Jeder Film ist anders und jeder hat seinen eigene Form von Spannung. Man hat zu verschiedenen Zeitpunkten unterschiedliche Reaktionen. Wenn man mit fantastischen Schauspielern zusammenarbeitet und ein tolles Drehbuch hat, entsteht eine großartige Kollaboration während des Drehens. Es kann eine Menge Spaß machen.

 

Wann fingen Sie an zu fotografieren?

 

Als ich neun Jahre alt war, in Sommerferienlager. Ich hab einfach los gelegt, Bilder aufgenommen und dort entwickelt. Ich begann Bilder zu lieben. Daher wollte ich als Jugendlicher unbedingt Fotograf werden. Irgendwie hat es funktioniert.

 

Gibt es Fotografen, die Ihre Arbeit besonders beeinflusst haben?

 

Von denen gibt es eine ganze Menge. Meist ist das eine Art von Fotograf, der heraussticht, weil er einen einzigartigen Stil hat oder an den wir uns erinnern, weil er einzigartige Dinge getan hat. Jeder tut Dinge anders. Als Kind begann ich Henri Cartier-Bresson zu bewundern. Aber ich mag auch Bill Brandt, Evans. Ich mag Robert Frank. All diese Menschen arbeiten auf unterschiedliche Art und begreifen, dass jeder einmalig ist.Wir sind alle einmalig und sehen Dinge auf unterschiedliche Art. Du lernst von anderen Leuten. Aber du kopierst sie nicht.

 

Spielen Sie manchmal mit dem Gedanken, an etwas völlig anderem zu arbeiten?

 

Ich versuche immer, in neue Richtungen zu gehen und zu wachsen, als Mensch und Fotograf. Also werde ich immer auf verschiedenen Weisen arbeiten. Momentan arbeite ich an einem Farb-Folio, noch einem Farbfotobuch. Am häufigsten arbeite ich an einem Buch, dass als eine Art Inspiration für junge Fotografen gedacht ist.

 

Hat sich Ihre Arbeit verändert, als Sie berühmt wurden?

 

Mir ist nicht bewusst, dass ich berühmt sei oder irgendetwas in der Art. Im Grunde tue ich, was ich tue einfach, weil ich es genieße. Ich bin froh, wenn es funktioniert und glücklich, wenn ich ein Bild sehe, das mir gefällt - dass ich aufgenommen habe und aufregend finde. Aber berühmt? Davon weiß ich nichts.

 

Ihre persönlichen Porträts jenseits der Filmarbeit sind kaum bekannt. Werden Sie ihnen mehr Ausstellungen oder Publikationen widmen?


Wahrscheinlich werde ich das. Ich arbeite an einem Bildband mit Porträts. Es ist nicht die konventionelle Art von Porträt-Album, sondern wird viele der Motive enthalten, die sich mit diesen Art Motive befassen.

 

Gibt es ein Filmprojekt, an dem Sie gerne mitgearbeitet hätten, aber nicht die Möglichkeit hatten?

 

Ja, Die Geburt einer Nation.

 

Was ein wenig vor Ihrer eigenen Geburt gewesen ...

 

(lacht) Erheblich!


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