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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 28. Juni 2017 | 02:17

    Bücher machen Leute

    15.10.2006

    Eine Kolumne von Hans Durrer

     

    57% der Briten, so berichtete vor kurzem der Londoner Guardian, glauben, sie könnten jemandes Persönlichkeit auf Grund seiner Lektüre bestimmen; 42% der Befragten waren zudem der Meinung, auch die Intelligenz könne auf Grund der Lektüre eingeschätzt werden. Nun ja, der Mensch glaubt viel und wenn er mal etwas glaubt, dann ist er auch kaum mehr davon abzubringen.

    Von George W. Bush hören wir gerade, dass er letzthin nicht nur Camus’ Der Fremde sondern auch noch drei Werke von Shakespeare gelesen hat. Bush und Shakespeare? Na ja, wer’s glaubt ... Mass für Mass wird’s jedenfalls nur gewesen sein, wenn man davon ausgeht, dass Lektüre uns grundsätzlich unberührt lässt:

    „Doch der Mensch, der stolze Mensch,
    gekleidet in ein wenig kurze Amtsgewalt,
    verkennt, was ihm am nächsten ist
    (seine Spiegelseele), und wie ein wütender Affe,
    spielt er solch irre Faxen vor dem hohen Himmel,
    dass die Engel weinen, die mit unserer Milz
    sich alle sterblich lachen würden.“

    Neu am „Sag mir, was du liest, und ich sag dir wie blöd/wie schlau du bist“ ist so recht eigentlich nichts, wie denn überhaupt Meinungsumfragen wie auch wissenschaftliche Untersuchungen ganz generell eher selten Unerwartetes und Überraschendes herausfinden: in der Schweiz ergab eine Studie gerade, dass eine Waffe im Haus eher dazu führt, dass man davon auch Gebrauch macht. Wer hätte das gedacht?

    Doch zurück zu den Büchern: wie will man eigentlich überprüfen, wer was liest? Sicher, der Buchkauf mag ein Indikator sein, wenn ich allerdings an die vielen gekauften, doch seit Jahren ungelesenen Bücher denke, die bei mir rumstehen, nicht gerade ein speziell verlässlicher. Zudem: ein Buch gelesen zu haben, bedeutet ja noch lange nicht, dass man auch verstanden, was da geschrieben stand. Ich denke dabei übrigens nicht nur an Herrn Bush, ich denke durchaus auch an mich selber.

    Überhaupt erstaunt mich immer wieder, an wie viele der Bücher, die ich gelesen, ich absolut gar keine Erinnerung habe. So las ich letzthin Balzacs Verlorene Illusionen und merkte erst, als ich nach der Lektüre den Band ins Regal stellen wollte, einigermassen verwundert, dass er bereits da stand (in einer anderen Ausgabe zwar, doch offenbar gelesen).

    Die Untersuchung betr. Lektüre und Intelligenz war übrigens von der Buchhandelsgruppe „Borders“ in Auftrag gegeben worden, deren Sprecher schloss, dass das rechte Buch auszuwählen, der Schlüssel dazu sein könnte, auf bestimmte Aspekte seiner Persönlichkeit aufmerksam zu machen. Mit anderen Worten: ein gescheites Buch auf dem Tisch, lässt einen gescheit erscheinen. Nicht gerade ein neuer Gedanke: Politiker, wenn sie gebildet erscheinen wollten, haben sich schon immer vor imposanten Bücherwänden ablichten lassen.

    Übrigens: ein Sprecher des Weissen Hauses liess verlauten, dass Herr Bush den Fremden „an interesting book and a quick read“ gefunden, und fügte hinzu: „We discussed the origins of existentialism.“ Nicht etwa, dass man mehr darüber hätte wissen wollen.

    Borders Rough Guide, der die Charakteristika bezeichnet, die man einer Person auf Grund seiner Buchwahl zuschreiben kann, stuft Herrn Bush als Leser von „literary fiction“ ein, was bedeutet, dass er „is likely to be ‚a well-educated person who reads The Independent or Guardian and tunes in to Channel 4 or BBC 2 to satisfy more leftists interests.’“

    Hans Durrer

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