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Sonntag, 26. Mai 2013 | 00:44

Danke, Franz!

03.11.2005

Von Olaf Selg

 

Nein, keine Angst, dies ist keine Danksagung an Franz Beckenbauer, weil er sich die Berliner Turbulenzen zu Herzen genommen hat, nun auch nach München zu den Bayern vom FC zurückgegangen ist und, nachdem er die WM ins Land geholt hat, der deutschen Nation nun die erwartete Unerstützung im Kampf um den WM-Titel 2006 versagt. Dies ist ein Dank an den Strategen Franz Müntefering, der es doch noch geschafft hat, Edmund Stoiber in Berlin und damit im Focus einer größeren Weltöffentlichkeit zu verhindern.

Edmund und Franz, Franz und Edmund – eigentlich hört sich das wirklich nach Männerfreundschaft und Biertrinken an, aber das war nie so. Alles Tarnung. Franz Müntefering handelt ganz als "Parteisoldat", wie er sonst immer genannt wird. Nur in diesem Fall nie, aber eigentlich ist genau das ungerecht, kämpft er nicht einmal mehr nur aufopfernd, sondern scheint er sich gar zu opfern. Dass sich eine weitere Furche tief in sein altes Parteischlachtengesicht fräsen wird, erscheint nebensächlich.

Wahrscheinlich war es so: Der Edmund geht während der Koalitionsverhandlungen mit der SPD mal pinkeln. Er hat schon die zähen Runden bei der Kabinettsbildung nur schwer überstanden, weil da, wo er sitzen wollte, nun eine Frau sitzt. Hölle. Das konnte nicht einmal ein bayerischer Papst verhindern. Wo also Gottesfurcht und -glaube nun langsam in sich zusammenbrechen, ist Weichlichkeit nicht weit. Er steht sinnierend am Pissbecken, als auch Franz M. hinzutritt. Und da der Bayern-Eddie nicht sehen kann, wer den größeren hat – denn wäre es seiner, so wäre er vielleicht getröstet gewesen und hätte das Folgende nicht gesagt –, weil er sich nun mal keinen echten Männertrost abholen kann, versucht er es auf die, ich muss es so sagen, weibische Art. Vielleicht auch, weil es ihn ungewollt treibt, die im Vergleich zu seiner Frau mangelnde Weiblichkeit der Angelika Merkel zu kompensieren. Da stöhnt er also vor sich hin, nicht mehr unterscheidend, mit wem er es zu tun hat und in halbbajuwarischer Duzlaune, weil er das – und hier kommt der bayerische Superfranz und Clubpräsident nun doch mit ins Spiel – als Vorsitzender des Verwaltungsbeirates von den Sitzungen beim FC Bayern so gewohnt ist: "Ach Franz, wenn wir dich nicht hätten, ich tät's nicht aushalten."

Franz M. reagiert sofort. Zunächst kurzfristiger und ungewollt mit unkontrollierter Harnverhaltung, langfristig mit einer Strategie. Der letzte Tropfen, der hier fällt, ist wie der Startschuss für einen Masterplan, der auf der politisch scharf geschlossenen Erkenntnis basiert: Der Edmund kann nicht ohne mich. Und wollten wir den Stoiber nicht immer verhindern in Berlin?

Das Ende der Geschichte ist bekannt und schnell skizziert: Die Gelegenheit spielt Franz M. die in die Hände und er ergreift sie – natürlich nur im rein übertragenden Sinn – beim Lockenschopf. Es wird Montag, 31. Oktober 2005, ausgerechnet auch noch Reformationstag, und es steht wieder eine Wahl an. Eine kleinere Wahl zwar, aber eine Wahl, die endgültig über das Berliner Schicksal von Edmund Stoiber entscheiden wird. Er ahnt noch nicht, dass ausgerechnet schon wieder eine Frau – nun in der kalten Berechnung des Franz M. – die entscheidende Rolle spielen wird, ihn doch von Berlin fern zu halten…

Von Olaf Selg

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